Was Geld überhaupt ist

Vor einer Weile stieß ich auf ein vielversprechendes Interview. Zunächst war ich etwas skeptisch, denn das Video fängt atmosphärisch an, ohne, dass man weiß, worauf der Inhalt hinauslaufen soll. Der Mann in dem Video begrüßt uns zunächst in Singapur und geht dann gemütlich zum Friseur. Wir begleiten ihn auf seinen Flügen rund um die Welt, wobei er uns seine 10 grundsätzlichen Strategien zum finanziellen Erfolg vorträgt. Es handelt sich dabei um Anton Kreil, einen professionellen Trader, der uns mit in seine Welt nimmt:

Den ersten Punkt beginnt er mit „Respektiere Geld und behandle es emotionslos.“ Er packt Geldscheine auf den Tisch und fragt den Interviewer, was das ist. Er legt immer größere Summen auf den Tisch und fragt weiter. Er erklärt den entscheidenden Punkt — die meisten Menschen, die erfolglos in Geldfragen sind, wissen gar nicht, was Geld überhaupt ist, wozu es existiert und uns dient.

Dieser Satz hat mich stark zum Nachdenken gebracht, denn auch ich habe mir bis dahin keine genauen Gedanken gemacht, obwohl ich mich schon eine Weile damit näher beschäftige. Unterhalten wir uns also über etwas, wovon wir nicht mal wissen, was es ist? Zeit, das aufzuholen!

Was ist Geld überhaupt? Sehen wir uns zunächst einmal eine Definition an. Wikipedia schreibt: „Als Geld bezeichnet man alles, was als Zahlungsmittel in einer Volkswirtschaft akzeptiert ist.“ Interessant ist hierbei, dass sich die Erscheinungsform des Geldes im Laufe der Zeit gewandelt hat und sich auch jetzt stetig verändert. In früheren Zeiten handelte es sich vornehmlich um Warengeld, d.h. Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien mit einem bestimmten Marktwert, wie etwa die Goldmünzen. Später erschien das sogenannte Repräsentativgeld, in Form von Banknoten, die sich gegen eine gewisse Menge von Gold oder Silber tauschen ließ. Heutige moderne Volkswirtschaften verwenden aber mittlerweile das sogenannte Fiatgeld. Das ist Geld, das zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und von der Zentralbank ausgegeben wird. Es ist also der Staat oder eine von ihm beauftragte Stelle, die für die Ausgabe dieses verkehrsfähigen Zahlungsmittels zuständig ist. Dabei hat diese Stelle das Monopol inne, Geld zu drucken, was das unautorisierte Gelddrucken illegal und strafbar macht.

Interessant ist, dass das Geldzeichen an sich keinen Wert hat, und auch das verwendete Papier für die Banknoten an sich wertlos ist. Es wird aber dennoch zum Austausch für Waren und Dienstleistungen angenommen, denn die Menschen vertrauen darauf, dass der Wert des Geldes von der Zentralbank im Laufe der Zeit stabil gehalten wird. Dabei bedarf es nicht mal einer physischen Form, Geld kann einfach nur ein Computereintrag auf dem Bankkonto sein und neuerdings etablieren sich sogar virtuelle, digitale Währungssysteme wie der Bitcoin.

Geld kann im Grunde alles sein, was die Geldfunktionen erfüllt. Im Wesentlichen gibt es drei Funktionen: Erstens dient das Geld als Tauschmittel. Geld ist deshalb so essentiell und in einer Gesellschaft, die auf Arbeitsteilung basiert und damit immensen Wohlstand schafft, unabdingbar, weil sie Tauschgeschäfte stark vereinfacht, und somit Zeit spart. Stellt euch nämlich vor, es gäbe kein Geld, und der Bäcker möchte nun Fleisch haben, doch der Metzger will lieber Wolle gegen sein Fleisch tauschen. Mit Geld können die Beteiligten den Tauschprozess um ein Vielfaches vereinfachen und schneller an ihr gewünschtes Gut kommen. Geld kann also Zeit sparen.

Zweitens dient das Geld als Wertaufbewahrungsmittel. Du kannst dein Geld auf dem Bankkonto parken, sparen und Monate später erst für deine Wünsche einsetzen. Wegen dieser Funktion können bspw. verderbliche Mittel, wie Äpfel oder Brot, nicht als Geld fungieren. Die Nachfrage nach Geld als Aufbewahrungsmittel hängt dabei unter Anderem von dem Risiko ab, dass der Besitz von Geld in Form der Geldentwertung (Inflation) im Vergleich zum Risiko anderer Vermögenswerte mit sich bringt.

Drittens dient Geld als Wertmaßstab, als Recheneinheit, mit denen der Wert verschiedener Güter und Dienstleistungen miteinander abgeglichen werden können. In einer geldlosen Tauschökonomie wäre es dabei notwendig, den Preis eines Gutes als relativen Preis zu allen anderen Gütern zu kennen, das wären bei n Gütern n(n+1)/2 unterschiedliche Preise. Wird einer dieser Güter zum „Geld“, müssen nur noch n Preise gekannt werden. Geld erleichtert also auch die Vergleichbarkeiten zwischen Gütern und Dienstleistungen.

Wie entsteht Geld? In unserer heutigen modernen Volkswirtschaft gibt es die Europäische Zentralbank (EZB), die als Bank für weitere Geschäftsbanken fungiert. Ihre Aufgabe ist es, Einfluss auf die Geld- und Kreditströme in der Wirtschaft zu nehmen, um stabile Preise zu gewährleisten. Geschäftsbanken können von der EZB Geld leihen, ihnen werden also Kredite gewährt. Als wichtigstes Instrument zur Steuerung der Menge an „Geld“ ist dabei die Festlegung kurzfristiger Zinssätze — den „Kosten des Geldes“. Aber auch Geschäftsbanken können „Geld“ schaffen, was bei jeder neuen Kreditvergabe passiert.

Die Menschen lechzen nach immer mehr Geld und sind emotional damit, sie verstehen aber nicht, dass Geld nur das Tauschmittel für einen bestimmten Wert ist. Wer mehr Geld in seinem Leben möchte, sollte sich daher nicht auf das Tauschmittel Geld konzentrieren, sondern darauf, Werte zu erschaffen, z.B. interessante und nützliche Produkte, Dienstleistungen anzubieten, die den Menschen von Nutzen sind, denn je mehr Wert man erschafft, desto mehr kann man diese gegen Geld eintauschen.

Fazit. Geld ist eine Idee, die historisch gesehen mit der zunehmenden Arbeitsteilung in der Gesellschaft zusammenhängt. Geld nimmt verschiedene Funktionen wahr, die uns dienen, das Leben leichter und wohlhabender machen, und basiert auf unserem Vertrauen. Theoretisch ist Geld dabei unerschöpflich.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne und erfolgreiche Woche,

Anna.

Quellen: [1] ECB Europa [2] Geldtheorie & Geldpolitik Uni Bonn [3] Aktien mit Kopf [4] Geldtheorie
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4 Gedanken zu „Was Geld überhaupt ist“

  1. Die Menschen lechzen nach immer mehr Geld und sind emotional damit, sie verstehen aber nicht, dass Geld nur das Tauschmittel für einen bestimmten Wert ist.

    Der wichtigste Gegenwert für Geld ist heutzutage vermutlich Zeit. Ich finde die Entwicklung schade, dass jeder nur seinen ökonomischen Wert steigern will, um noch mehr zu verdienen als andere.

    Dagegen gefällt mir die Idee von zendepot seinen maximalen Lebensstandard zu definieren und gehe sogar noch weiter, dass statt einer Lifestyle-Inflation auch eine Lifestyle-Deflation möglich ist. So habe ich es dieses Jahr endlich geschafft mein Auto wegzugeben und vermisse es bis jetzt auch noch nicht. Ich reduziere aber in allen Bereichen weiter, um meine Fallhöhe zu senken, falls mal schlechtere Zeiten kommen. Dennoch genieße ich auch das Hier und Jetzt.

    Gruß,
    Marco

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    1. Hallo Marco 🙂

      Also ich bin mir nicht sicher, ob der wichtigste Gegenwert für Geld Zeit ist. Vielleicht im Gegenteil, es ist durch viele Systeme möglich, Geld und Zeit voneinander zu trennen, und somit für beides eine Win-Win-Situation zu schaffen. Ich werde noch zwei Artikel schreiben, die den Vermögensaufbau mit und ohne Zeit thematisieren, ich hoffe, das interessiert dich (und alle anderen) 🙂

      Den Blog Zendepot kenne ich noch nicht! Ich schaue gleich mal rein 🙂

      Viele Grüße,
      Anna.

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  2. Hallo Anna,

    ein wirklich guter erster Artikel.
    Die meisten können mit Geld nicht richtig umgehen, weil sie die falsche Einstellung haben und nicht verstehen, dass Geld letzten Endes nur ein Tauschmittel ist.
    Wenn ich viel Geld haben udn teure Autos fahren will, muss ich viele Werte zum Tausch anbieten können oder viel Zeit meines Lebens dafür eintauschen.

    Das Design mit den Scheinen gefällt mir. Vielleicht könntest Du die Seitenleiste etwas schmaler machen, sodass der Fokus auf den Inhalt noch größer ist. Schließlich ist das mit Abstand am wichtigsten bei einem Blog.

    Und vielen Dank für die Aufnahme meines Blogs in die Liste. 😉

    Schöne Grüße
    Dominik

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