Zeit ist rar und Geld ist es nicht

Meinen Blog gibt es zwar noch nicht so lange, aber trotzdem will ich bei dieser spannenden Blogparade mitmachen, zu der Der Finanzfisch aufgerufen hat. „Zeit ist Geld“ — Stimmt das?

Zunächst einmal ist es spannend, zu erörtern, was Zeit überhaupt ist. Genauso wie Geld ist es ein „Ding“, über das man ständig redet, aber nicht weiß, was es ist.  Sich mit der Zeit zu beschäftigen, wird sehr philosophisch und physikalisch, denn laut Wikipedia ist Zeit einfach nur eine „physikalische Größenart“. Ferner beschreibt es eine Abfolge von Ereignissen, wodurch eine unumkehrbare Richtung gegeben ist. Die Raumzeit ist nach unseren heutigen Kenntnissen mit dem Urknall entstanden und sogar unser Universum hat ein bestimmtes Alter.

Beim Ablauf von Ereignissen denke ich persönlich an physikalische und chemische Reaktionen.  Das Altern z.B. entsteht, weil unsere biologischen und chemischen Bestandteile im Körper mit der Zeit mit anderen Stoffen interagieren und reaktiv sind. Es gibt aber auch Substanzen in unserer Welt, die nicht so gerne Reaktionen eingehen, wie z.B. Edelgase oder Edelmetalle. Erinnert ihr euch noch an den Chemie-Unterricht? Die geringe Reaktivität liegt nämlich daran,  dass alle ihre Elektronenschalen entweder vollständig mit Elektronen besetzt oder leer sind. Deswegen passiert mit diesen Stoffen über einen sehr langen Zeitraum gar nichts. Man kann vielleicht sagen, für diese Stoffe gibt es keine Zeit. Mit organischen Stoffen sieht es natürlich anders aus. Organismen kennen spezifische Lebensdauern und man weiß bis heute nicht genau, wie diese zustande kommen, wie man sie signifikant verlängern oder den Alterungsprozess gar umkehren kann. Sogar Sterne haben eine bestimmte Lebensdauer und einen Lebenszyklus, weswegen die Suche nach neuen bewohnbaren Planeten für uns Menschen essentiell ist.

Aber genug von Chemie und Physik. Wie bereits angedeutet, haben Organismen eine spezielle Lebensdauer. Das bedeutet für uns Menschen, dass unsere Zeit auf diesem Planeten endlich ist. Da wir im heutigen Leben die Dimension „Zeit“ weitgehend nicht unter Kontrolle haben, sie sogar noch nicht mal richtig verstehen, wird Zeit zum allerhöchsten Gut, was wir auf dieser Welt haben. Ich bin zwar optimistisch, dass es der Menschheit irgendwann in Zukunft gelingen wird, die Altersprozesse umzukehren und zu neutralisieren. Vielleicht wird es auch eine Zeit geben, in der Menschen so lange leben können, wie sie wollen, und selbst entscheiden werden, wann sie sterben möchten. (Wenn Du dich für diese Thematik interessierst, empfehle ich dir den Artikel „Why Cryonics Makes Sense“ von Tim Urban).

Bis es allerdings so weit ist, müssen wir einsehen, dass wir nur eine begrenzte Zeit leben. Du und ich, wir haben wahrscheinlich nur noch 30,40,50 Jahre auf dieser Erde. Veranschaulichen wir uns das einmal. Nehmen wir ein 90-jähriges menschliches Leben. Das ist dieses Leben in Jahren:

90years

Und das ist dieses Leben in Monaten (30 x 36 ):

30x36months

Wie du siehst, ist das gar nicht so viel. Das sind deine Kästchen und dann gibt es dich nicht mehr. (Tim Urban kann es besser erklären: „Your Life in Weeks“).

Wie sieht es nun mit dem Faktor Geld aus? Wie wir bereits erörtert haben, ist Geld eine Idee, die uns Menschen dienen soll, Zeit sparen kann (aber nicht zwingend muss) und die in unserem System in unerschöpflicher Menge zirkuliert.

Was passiert nun, wenn man Zeit gegen Geld tauscht („Zeit ist Geld“)? Man muss sich bewusst sein, dass man endliche Lebenszeit gegen die unendlich verfügbare Idee Geld tauscht. Man tauscht in diesem Verhältnis sein Leben gegen Geld. Rein rational macht dieses Tauschgeschäft allerdings nur Sinn, wenn einem die nach Zeit bezahlte Tätigkeit auch Spaß bereitet (oder andere Vorteile bietet). Ansonsten sollte man versuchen, Geld und Zeit zu entkoppeln, was prinzipiell möglich ist. Seit dem letzten Jahrhundert haben wir sogar ein Tool, das uns dabei behilflich sein kann, vorausgesetzt wir setzen es intelligent ein: Das Internet und die Digitalisierung. Erstaunlicherweise gibt es zahlreiche Systeme, die sehr viel Wert schaffen, und nicht  sehr zeitintensiv sind bzw. nur einmalige Arbeit erfordern und regelmäßiges Einkommen generieren (z.B. Bücher).

Vielleicht habt ihr schon den Film In Time gesehen. Dort erhält jeder, der älter als 25 ist, eine Uhr, die auf dem Unterarm erscheint und die unaufhörlich tickt. Dabei kann man durch Arbeit Zeit hinzuverdienen und seinen Konsum mit der Zeit bezahlen. Erreicht diese Uhr den Punkt 00:00:00, also läuft die Zeit ab, dann stirbt derjenige. Obwohl der Film eine Dystopie beschreibt und unrealistisch erscheint, seine Kernelemente sind kein Sci-Fi, sondern bittere Realität: Du siehst deine Todesuhr nicht, aber sie tickt jeden Tag über deinem Kopf. Wie die Luft, existiert diese tickende Uhr, du kannst sie nur nicht sehen. Sie tickt jeden Tag und sogar jede Sekunde näher deinem Tod entgegen. Und nichts kann sie aufhalten — nicht deine 80% Sparrate, nicht dein MBA, keine 200 Billionen Euro.

Unsere Zeit lässt sich dabei in zwei Blöcke einteilen: unsere freie Zeit und arbeitspflichtige Zeit. Dabei ist freie Zeit die Zeit, die dir gehört: niemand hat einen Anspruch darauf und du kannst tun, was du willst — schlafen, schreiben, lesen, was auch immer dir gefällt. Auf der anderen Seite ist arbeitspflichtige Zeit, Zeit, die jemand anderem gehört: deiner Schule, deinem Studium, deiner Arbeit, dem Verkehr oder deinem Business. Rational sollten wir einsehen, zu versuchen, unsere freie Zeit zu maximieren und die arbeitspflichtige Zeit zu minimieren.

Zeit ist die skrupelloseste Mörderin, die es auf dieser Welt gibt. Sie hat schon Milliarden von Menschen in den Tod gerissen, was noch kein Krieg und keine Naturkatastrophe bisher je geschafft haben. Aber obwohl die Lebensspanne ungewiss ist, ist es das tägliche Pensum nicht. Jeder Mensch wird mit 24 Stunden beschenkt, oder 86.400 Sekunden — niemand bekommt mehr, niemand bekommt weniger. Es ist dabei unsere Entscheidung, wie wir diese Zeit handhaben. Die meisten Menschen leben dabei nach dem Dogma „Zeit = Geld“. Das bedeutet aber Folgendes: Du siehst ein Konsumgut, und dort steht, es kostet dich €500. Aber nach dieser Annahme, kostet dich das Gut nicht €500, sondern äquivalent 20 Arbeitsstunden. Diese Stunden sind ein Stück deines Lebens, d.h. du bezahlst, genau wie im Film, mit deiner Lebenszeit. Dabei haben die Darsteller im Film aber den Vorteil, dass sie die Zeit wieder erwirtschaften können. Diese Möglichkeit hast Du nicht, denn Zeit ist in unserem Universum unumkehrbar. Diese Zeit ist für immer fort. Überleg dir also gut, was dir deine Zeit wert ist und was nicht.

Fazit. Ich denke, Geld und Zeit stehen nicht zwingend in einem Zusammenhang. „Zeit ist Geld“ muss nach Möglichkeit vermieden werden, es sei denn, die Tätigkeit, mit der man Zeit gegen Geld tauscht, ist für Dein weiteres Leben nützlich und/oder bringt Dir Freude oder andere Vorteile. Ich bewerte Zeit um ein Vielfaches wertvoller als Geld, denn das Geldsystem ist eine Idee, die von uns für uns geschaffen wurde und die wir intelligent einsetzen können, damit sie uns dient. Bei Zeit sieht das anders aus, wir sind ihr und dem Alterungsprozess (zumindest im Moment) ausgeliefert und haben diese Komponente nicht unter Kontrolle. Im Moment ist es so, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem wir sterben müssen. Jeder Mensch kommt reich an Zeit zur Welt und stirbt bettelarm. Jeden Tag hat jeder Mensch die gleiche Zeit zur Verfügung — 24 Stunden, die wir gestalten können.

Mein Appell ist — sei frugal mit Deiner Zeit und nicht mit Deinem Geld. Du findest Wege, wieder Geld in Dein Leben zu ziehen, aber die Zeit ist weg. Deswegen gehe sorgsam, ökonomisch und sparsam mit ihr um. Gehe mit Zeit intelligent um. Beschäftige Dich damit, was es ist und was dieses Wort bedeutet. Genauso beschäftige Dich mit Geld, falls Du welches brauchst, um deine Vorstellungen zu realisieren. Nicht umsonst gibt es das Zitat: „Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten.“

Viele Grüße und schöne Woche,

Anna.

Quellen: [1] Edelgase [2] 1000Antworten – Was ist Zeit?

51Ihnen8KfL._SX331_BO1,204,203,200_ In seinem Buch  UNSCRIPTED: Life, Liberty, and the Pursuit of     Entrepreneurship stellt der Autor MJ DeMarco bisherige Gewohnheiten und Anschauungen in Frage: Nein, im Leben geht es nicht darum, Rechnungen zu bezahlen, arbeiten zu gehen, um ein Wochenende genießen zu können und dann zu sterben. In dem Buch beschäftigt er sich sehr ausführlich mit dem Verhältnis Zeit und Geld, die ich zum Teil in den Artikel eingebaut habe. Ich habe das Buch selbst gelesen und empfehle es dir uneingeschränkt weiter, weil ich glaube, dass dir das Wissen in dem Buch hilfreich sein kann (Affiliate-Link). Leider ist es im Moment nur in Englisch verfügbar.

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4 Gedanken zu „Zeit ist rar und Geld ist es nicht“

  1. Hi Anna, Zeit ist wirklich eine grausame Mörderin. Mich stört, dass ich sie nicht anhalten kann. Manche Momente im Leben sind so schön, dass ich sie gerne festhalten möchte. Aber wie du schon geschrieben hast, jeder bekommt 24h pro Tag.

    Wünsche dir einen guten Start ins neue Jahr!
    Jenny

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Jenny 🙂

      Schön, dass du vorbeischaust!
      Du hast Recht, manche Momente sind wirklich super und man möchte sie nicht missen. Kennst du die Sendung „Black Mirror“? Die letzte Folge der ersten Staffel befasst sich mit einem Sci-Fi-Tool, das ermöglicht, jede Erinnerung vor dem Auge nochmal abzuspielen, und sogar an einen Bildschirm anzuschließen, dass andere Menschen die gleiche erlebte Sequenz ansehen können. So kann man jeden erlebten Moment wieder und wieder abspielen. Es ist wirklich interessant, was sich die Autoren dieser Sendung alles ausdenken. Sie zeigen z.B. in anderen Folgen mögliche Auswirkungen von Social Media etc … Sehr interessant 🙂

      Viele Grüße und frohes Neues!! 🙂

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