Wie man Vermögen aufbaut – mit und ohne Zeit – Teil 1

Heute möchte ich mit euch sprechen, wie man überhaupt mit Geld wirtschaften kann und im zweiten und dritten Schritt erörtern, wie man Vermögen mit dem Faktor Zeit und ohne Zeit aufbauen kann. Zunächst sehen wir uns einmal an, was passiert, wenn man sein Vermögen als die Summe seines Einkommens und seiner Schulden definiert.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie jemand in dieser Situation wirtschaftet:

Einnahmen

Im ersten Diagramm seht ihr jemanden, der von der Hand in den Mund lebt: seine Einnahmen decken haarscharf seine Ausgaben. Im zweiten Diagramm seht ihr jemanden, der über seinen Verhältnissen lebt und dessen Ausgaben höher sind als seine Einnahmen. Es gibt per se noch eine dritte Möglichkeit, nämlich tatsächlich einen Teil der Einnahmen beiseite zu legen und vom Rest zu leben. Ein vernünftiger Ansatz, aber kein fruchtbarer, da das Geld, das beiseite gelegt worden ist, 2% jährlich von seiner Kaufkraft verliert (sogenannte Inflation). Er oder sie sieht also seinem/ihrem Geld beim Schmelzen zu. Für diesen — vermutlich —  Schwaben 😉 sind vor allem die beiden folgenden Artikel interessant, und wir beschäftigen uns heute nur mit Leuten, die wie in Diagramm 1 und 2 wirtschaften.

Menschen, die so mit ihren Finanzen wirtschaften, haben einen ungeschriebenen Vertrag abgeschlossen, dass ihre Zukunft für ihr heutiges vergnügliches Leben aufkommt. Sie opfern sozusagen das „Morgen“ für „Heute“. Diese Menschen leben von Monatsgehalt zu Monatsgehalt und nehmen bei unerwarteten Ausgaben Kredite auf — Geld, das sie nicht haben und zusätzlich noch Zinsen bezahlen müssen. Sie sind 1,2,3 Monatsgehälter davon entfernt, Pleite zu sein. Oder auch ein Tennisspiel, einen neuen Song, einen Kundenvertrag davon entfernt. Ja, Menschen, deren Zukunft die Gegenwart finanziert, können sehr hohe Einkommen haben und trotzdem wie in den Diagrammen wirtschaften. Wenn jemand mit sehr hohem Einkommen Pleite geht, macht das meistens große Schlagzeilen (Boris Becker).

Wofür geben diese Menschen ihre Gehälter und Einkommen aus? Sind Ausgaben wie Wohnung, Lebensmittel, Strom, usw. gedeckt, wird das Geld für verschiedene Konsumgüter verbraucht. Das können je nach Budget neue Smartphones, Elektrogeräte, teure Reisen, Yachten, schnelle Autos oder ein umfangreicher Spa-Besuch oder Shopping-Trip sein. Dieser Konsumwahn ist getrieben durch die Sucht, schnell und dringend seine Bedürfnisse und Annehmlichkeiten zu realisieren. Die Verführung ist groß, wer mag es schließlich nicht, mit einer Massage verwöhnt zu werden, schöne Aussichten zu genießen oder auf seiner Yacht ein paar Cocktails zu schlürfen, während man dem sanften Rauschen des Meeres lauscht?

Das Denken dieser Menschen ist meistens durch Abweisen von Verantwortlichkeit gekennzeichnet und das bewusste Ignorieren von Konsequenzen. Was denken diese Menschen über …

Schulden? Kredite sind für mich da, damit ich mir die Dinge heute leisten kann. Kredite helfen mir, das Leben heute zu genießen und dass ich sie mir sofort leisten kann. Ich habe mir das verdient und man muss sich mal was gönnen! 

Zeit? Ich habe sehr viel Zeit auf dieser Welt. Ich kann das Geld ausgeben, als gäbe es kein Morgen. Tatsächlich — ich könnte doch morgen tot umfallen, deswegen muss ich das Leben im Hier und Jetzt genießen. 

ihre Einkommensquelle? Ich werde das arbeiten, was am Meisten Geld bringt.  

Lebensziele? Warum sollte man sich Ziele setzen? Ich lebe für heute und denke über morgen nicht weiter nach. Man weiß ohnehin nicht, was einen erwartet. Das Leben ist zu kurz, um länger als 30 Tage zu verplanen. Man ist nur einmal jung. 

Das Traurige dabei ist, dass diese Menschen die Mehrheit darstellen. Den Standard stellen vor allem die, die gleichzeitig einkommensschwach sind. Das sind diejenigen, die die untere Mittelschicht bilden. Diejenigen, die für einen gewissen Stundensatz arbeiten und all die Spielzeuge besitzen, die man gerne herumzeigt, aber auf dem Konto und im Depot liegt nichts.

Gehörst du dazu?  Wenn du denkst, dass deine Ausbildung und das Lernen nach der Schule und dem Studium aufhört, dann ja. Wenn du oft den Job wechselst, weil der neue Arbeitgeber etwas mehr zahlt, dann wahrscheinlich. Wenn du denkst, dass Menschen mit Geld „Glück“ haben, reiche Eltern hatten oder leichtere Lebensumstände, auch dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Wenn du dich leicht beeindrucken lässt und andere beeindrucken möchtest, dann ja. Du fokussierst dich auf den Staat und Politiker, um deine Probleme zu lösen, anstatt dich selber um sie kümmern, auch hier, ja. Wenn dir der Kassierer zuviel rausgegeben hat, und du es bemerkst, aber nichts sagst, weil „es nun mal die Schuld des Kassierers war“, dann weißt du die Antwort.

Wohin führt dieser Weg? Ganz klar, in die Armut und Abhängigkeit (wenn nicht vom Arbeitgeber, so dann vom Staat). Diese Lebensentscheidung bietet dir keinerlei Schutz, im Zweifelsfall stehst du nackt da und kannst bestimmte, ungeplante Kosten nicht abfedern. Deine Arbeit, die wahrscheinlich vorrangige Einkommensquelle, zu verlieren, bietet hier das allergrößte Risiko. Dabei spielt die Einkommensgröße keine Rolle. Ein Mensch, der wie in Diagramm 1 und 2 wirtschaftet, kann $2000 monatlich erhalten, und fühlt sich berechtigt, $3000 auszugeben, er kann aber auch $200.000 monatlich erhalten und $300.000 ausgeben. Die größte Erkenntnis, die wir hier machen können, ist, mehr Geld löst nicht das Problem. Wenn Du nicht mit $40.000 im Jahr auskommen kannst, dann wirst Du es nicht mit $400.000 können.

Mit Geld kann man keine finanzielle Disziplin kaufen.

Manchmal wird undiszipliniertes Shopping dann noch durch Abkürzungen verniedlicht, wie beispielsweise YOLO — You only live once. Unglücklicherweise fällt der Preis für YOLO nicht nur einmal an, sondern lebt und gedeiht auf der Visa Card. Diese Menschen verkonsumieren nicht nur gedankenlos ihr Geld, nein, schlimmer noch, sie gehen ganz genauso mit der noch wertvolleren Zeit um. Zeit gegen Geld zu tauschen, gehört zum Lebensstandard und die arbeitspflichtige Zeit wird laufend ausgebaut, die freie Zeit minimiert. Denn Schulden aufzunehmen, heißt, mögliche freie Zeit in arbeitspflichtige Zeit umzuwandeln. Aber auch die freie Zeit wird einfach hinfort geschmissen: durch TV-Dramen, Kommentarkriege im Internet oder Sportsendungen. Menschen, die derart ihre Freizeit verbringen, leben nicht ihr Leben, sondern beobachten das Leben anderer und sehen vom Seitenrand zu.

Anstatt der beste Mensch zu werden, der man sein kann, verfolgen diese Menschen das Ziel, die beste Kopie eines anderen zu werden: die Kopie eines Athleten, einer berühmten Person oder sogar eines fiktiven Charakters.

Eine weitere Tücke liegt darin, dass man beginnt, nicht mehr seine Sachen zu besitzen, sondern dass diese Sachen anfangen, dich zu besitzen. Dadurch dass diese Leute freie Zeit in arbeitspflichtige Zeit umwandeln, werden sie in Besitz genommen von ihren Schulden, von Unternehmen, die diese Forderungen stellen und weil sie letztlich nicht für sich vorsorgen, werden sie abhängig vom Staat. Im Klartext: Diese Menschen arbeiten für Unternehmen und Staat, alles, was sie kaufen, produziert ein Unternehmen, alles, was sie im Fernsehen ansehen, wird von Unternehmen bereitgestellt und auch die Zahlungsforderungen werden von Unternehmen gestellt. Aber wenn sie dann sagen, die Reichen werden reicher, sei das niemals mit ihrem Konsens passiert.

Die wenigsten verstehen, dass diese kurzfristigen Befriedigungen die Lebenszeit fordern, und sich mit jedem Euro an weiterer Schuld der Kragen am Hals fester schnallt. Dabei liegt das Problem nicht an den Zahlungen, sondern an den Konsequenzen dieser Zahlungen: Man ist womöglich an einen Job gefesselt, begibt sich in immer größere Abhängigkeit, die Träume, Motivation und Lebenslust erstickt. Konsumption ist ein Dieb deiner Macht Entscheidungen zu treffen — kurz, frei zu sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten, was man an dieser Stelle tun kann. Zum Einen kann man sich entscheiden, diesen Weg so zu belassen und darauf hoffen, dass der Staat sich umfänglich um die Altersvorsorge kümmert. Zum Anderen kann man sich entscheiden, seine finanzielle Situation in die Hand zu nehmen, sich finanzielles Wissen anzueignen und zu beginnen, vermögensbildend zu wirtschaften.

Im zweiten Teil kümmern wir uns um den Vermögensaufbau, der an den Faktor Zeit gekoppelt ist.

Bis dahin wünsche ich dir noch eine erfolgreiche und schöne Woche,

Anna.


51Ihnen8KfL._SX331_BO1,204,203,200_ In seinem Buch The Millionaire Fastlane: Crack the Code to Wealth and Life Rich for a Lifetime! stellt der Autor MJ DeMarco bisherige Anschauungen und in Stein gemeißelte „Weisheiten“ in Frage: Nein, im Leben geht es nicht darum, Rechnungen zu bezahlen, arbeiten zu gehen, um ein Wochenende genießen zu können und dann zu sterben. In seinem Bestseller beschäftigt er sich sehr ausführlich mit den bisherigen Dogmen: Er erklärt uns, was Sidewalker, Slowlaner und Fastlaner unterscheidet und warum nur eine Gruppe erfolgreich seine Träume erfüllen kann. Meiner Meinung nach ist es das beste Finanzbuch, was es derzeit auf dem Markt gibt (Affiliate-Link).

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