01×02 Black Mirror: „Das Leben als Spiel“ – eine Kritik am Konsumwahn

Netflix-Aktionäre – hergehört! Euer Streaming-Dienst macht sehr gute Arbeit. Zwar mag mein Freund die Serie, die ich euch heute vorstelle, nicht so sehr, aber wir haben sie trotzdem komplett durchgeschaut: „Black Mirror“.  Seit 2011 befasst sich die in UK produzierte Serie mit verschiedenen Themen der Digitalisierung (z.B. Social Media) und deren mögliche Auswirkungen auf unser Leben. Dabei erzählt jede Folge eine abgeschlossene Geschichte, sodass die Folgen inhaltlich nicht aufeinander aufbauen und meistens handelt es sich um Dystopien, die einen sehr zum Nachdenken anregen. Mehr als eine Folge am Stück geht gar nicht und manche sind teilweise wirklich so abstrus und philosophisch, dass ich manchmal noch eine ganze Weile darüber in Gedanken versunken bin.

Eine dieser Folgen war die zweite von der ersten Staffel – „15 Million Merits“ oder „Das Leben als Spiel“. Die Folge spielt in einer Zukunft, in der Menschen einem oberflächlichen Lebensstil nachgehen und täglich kurzfristige Befriedigung suchen. Die Menschen tragen alle die gleichen grauen Anzüge und strampeln sich jeden Tag auf einem Laufrad ab, mit dem sie Guthaben verdienen. Mit diesem Guthaben können sie in einer virtuellen Welt ihr Avatar anziehen oder damit kostenpflichtige Unterhaltungsprogramme konsumieren. Diese Programme beinhalten Pornographie oder Sendungen, die eine bestimmte Zielgruppe (in diesem Fall, Übergewichtige) diffamieren und über die sich lustig gemacht wird. Jeder Mensch hat ein kleines Zimmer,  das aus Bildschirmen besteht und ständig ist man Werbung ausgesetzt, die man mithilfe seines Guthabens überspringen kann. Es kostet also, die Werbung auszuschalten und sie nicht ansehen zu müssen. Andernfalls ertönt ein Pfeifton, der einen zum Zusehen der Werbung zwingt. Eine wirklich dystopische Welt. Oder kommt sie unserer Realität näher als uns lieb ist?

Es gibt keine Fenster, die die Natur zeigen, aber man kann sich Screens kaufen, die diese darstellen. Das Guthaben, das man sich im Laufe des Tages verdient, wird für Essen, Zahnpasta, Handtücher und anderen Bedarf ausgegeben, man kann sich damit von der Werbung befreien, virtuelle Güter für seinen Avatar kaufen und weiteren Content ansehen, z.B. Pornographie. Zu einer bestimmten Zeit läuft sogar die Sendung „Hot Shot“, in der eine Jury aus drei Mitgliedern das Talent der Bewerber bewertet. Diese singen oder tanzen, um die Jury zu beeindrucken – ein Star zu werden ist nämlich die Möglichkeit diesem Laufrad-Leben zu entkommen. Ein Ticket zu der Show kostet 15.000.000 an Guthaben, d.h. die Menschen müssen sich anstrengen, um vor die Jury treten zu dürfen und sich bewerten zu lassen. Im Hintergrund der Jury-Mitglieder sitzen die virtuellen Avatare im Publikum und geben Eins zu Eins die Emotionen und Reaktionen der Menschen in ihren Zimmern wieder. Die Show dient zum Einen der Unterhaltung für diese Menschen, aber auch als Chance für die Auftretenden, ihr ödes Leben auf dem Fitness-Fahrrad zu beenden.

Die Atmosphäre ist absolut kalt in dieser Welt. Die Menschen helfen einander nicht, es gibt keine Freundschaften und auch Liebe entwickelt sich nur zaghaft. Man sieht einige Menschen, wie sie sehnsüchtig andere Menschen beobachten, mit denen sie gerne Kontakt aufbauen möchten. Ein rothaariger junger Kerl versucht zum Beispiel die Aufmerksamkeit einer Dame zu erlangen, indem er sich eine neue Uhr und schicke Schuhe für sein Avatar kauft. Während die Menschen im „realen“ Leben in den gleichen grauen Anzügen herumlaufen, gibt er sein Guthaben für seinen virtuellen Avatar aus, um andere zu beeindrucken und reagiert traurig, als seine Herzdame nicht auf diese Avancen reagiert. Ein anderer Nebendarsteller konsumiert andererseits sehr fleißig jeglichen Content – er zieht sich jeden Tag stundenlang Pornos rein, sogar während er auf dem Rad strampelt und sich Menschen um ihn herum befinden. Wenn er damit fertig ist, sieht er sich neue Sendungen an, die Dicke diffamieren und lacht über sie.

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Manche Menschen zeigen sich ehrgeizig und geben im Hamsterrad Vollgas, um die 15.000.000 zu generieren und sich ein Ticket in der Show zu sichern. In einem kurzen Moment unterhalten sich diese Bewerber sogar  darüber, wie lange die Generierung dieses Guthabens in etwa dauert – ein paar Monate war der Konsens. Mit dieser kleinen Randinfo war es schon erstaunlich, wenn man auf dem Bildschirm des Rothaarigen eine Zahl von 5.000 sah oder 2.000.000 bei dem Mann, der sich dauernd Pornos reinzieht. Das heißt also, dass nicht jeder die Ambitionen hatte, sich bei „Hot Shot“ zu bewerben und einen Ausweg aus diesem Leben zu suchen. Auch der Protagonist Bing war nicht sonderlich ehrgeizig. Er ist zu Anfang ziemlich „reich“ und führt ein ganz bequemes Leben. Er überspringt nervige Werbung, wann er möchte, isst, was er will und scheint ansonsten ganz zufrieden.

Bis er sich verliebt: auf der Unisex-Toilette trifft er auf Abi, die er singen hört und die er ermutigt, sich bei „Hot Shot“ zu bewerben und ihr Talent der Jury vorzutragen. Da sie nicht soviel Guthaben hat, schenkt er ihr seines und begleitet sie dann bis vor die Jury. Dort singt sie ein wunderschönes Lied, aber ihr gesangliches Talent wird übergangen und gar nicht bemerkt – stattdessen machen sie die männlichen Jurymitglieder auf ihr gutes Aussehen und ihr Potential auf die Pornoindustrie aufmerksam. Sie steht jetzt vor der Wahl – Pornodarstellerin werden oder wieder zurück ins Laufrad. Das Publikum, bestehend aus den jungen Erwachsenen, die sich täglich auf dem Rad abstrampeln, jubelt ihr zu und feuert sie an, es zu tun. Der Porno-Freak leckt sich schon die Lippen. Abi ist verunsichert, blickt zurück, was ihr Freund Bing dazu sagt, doch der wurde schon von den Mitarbeitern weggeschleppt. Verlegen und irritiert sagt sie dann: „Nun gut … wenn es nicht anders geht …“.

Bing  wird daraufhin depressiv. Sein Vermögen ist weg, und er kann nun die Werbung nicht mehr abschalten. Als er die Werbung für Abi’s neuen Porno-Streifen mitansehen muss, wird er wütend und schlägt auf die Bildschirme in seinem Zimmer ein, die daraufhin zerschellen. Er nimmt sich eine Scherbe mit und fasst den Entschluss, wieder vor die Jury zu treten und sie mit ihrem falschen Verhalten zu konfrontieren.

Das heißt, er spart jetzt eisern und strampelt noch entschlossener in seinem Hamsterrad, bis er das Guthaben für ein Bühnenticket erwirtschaftet hat. Auf der Bühne holt er den versteckten Bildschirm-Splitter heraus und droht damit, sich umzubringen, wenn man ihm nicht zuhört. Keiner zeigt sich geschockt, dass er sich vor laufender Kamera das Leben nehmen will! Einer der Juroren reagiert sogar gereizt und sagt ihm, er soll bloß keine Blutflecken auf seiner Kleidung hinterlassen, sonst „prügelt er ihn wieder zurück ins Leben“. Nun lässt Bing seiner angestauten Wut freien Lauf:

Wozu strampeln die Menschen in den Laufrädern? Warum erkennen die Menschen die Schönheit nicht, die vor ihnen liegt? Warum sind die Menschen so emotionslos, so kalt und herzlos zueinander? Warum sind die Menschen und besonders die Jury so falsch? Warum kauft sich jeder so eine „Scheiße“, die es nicht mal gibt? Die Menschen drücken sich aus, indem sie „Scheiße“ kaufen, die es nur virtuell gibt. Der Traum der Menschen sei es, eine neue App zu kaufen, die es nicht gibt! Die Menschen seien zu blind für die Schönheit auf der Welt und können sie nicht erkennen, selbst wenn sie vor ihnen liegt!

Nach einer kurzen irritierten Pause setzen die Juroren wieder ihr Pokerface auf und loben Bing für seine herzzerreißende Rede. Auch das Publikum applaudiert und jubelt und auf der Bühne steht ein irritierter Bing, der nicht weiß, was er dazu sagen soll. Auch wir als Zuschauer sind einfach sprachlos! Einer der Juroren bietet Bing nun an, eine Sendezeit für ihn freizumachen, in der er eine Sendung moderieren kann, wo er genau diese Themen weiter ausbaut. Bing ist sprachlos. Auch als Zuschauer fragt man sich, haben die echt gar nichts kapiert? Bing hat die Chance, dem Hamsterrad zu entfliehen. Tut er das, ändert sich an der Situation der anderen nichts. Lehnt er ab, ist er selbst wieder im Rad gefangen. Bing nimmt an und moderiert von nun an seine eigene Sendung. In der letzten Szene sieht man ihn einsam einen Orangensaft (etwas, was es für die anderen nicht gibt) trinken und in einem moderneren und komfortableren Zimmer. Seine Scherbe wird zum Markenzeichen und kann in der virtuellen Welt nun gegen Guthaben erworben werden.

Puh, das muss man jetzt erstmal verdauen. So ging es mir jedenfalls nach dieser Folge (und vielen weiteren). Lasst uns einen genaueren Blick darauf werfen und die Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft ziehen …

Das Hamsterrad

Wie in unserer heutigen Welt gibt es auch in dieser Dystopie ein Hamsterrad, in dem man für Guthaben strampelt. Dabei kann man dann das erworbene Guthaben gegen Güter eintauschen, sowie Werbung ausblenden, seine Screens einrichten, Content konsumieren und seinen Avatar anziehen. Das Guthaben ist die Währung, die durch das Strampeln erzeugt wird. Eindeutiger und offensichtlicher kann die Parallele für viele Menschen in der Realität wohl nicht sein. Sie fühlen sich im Rad gefangen und strampeln jeden Tag, um einen gewissen Tagessatz zu erwirtschaften, den sie dann wiederum gegen Güter und Dienstleistungen eintauschen. Genauso wie in der Realität zeigen sich aber unterschiedliche Wirtschaftsmöglichkeiten. Manche sparen nämlich sehr konstant an ihren Gütern (wie Bing, der sich zeitweise von den Resten anderer ernährt hat) und auch wie in der Realität gilt – hat jemand ein Ziel, dann fällt das Sparen leichter. Andere hingegen haben aber gar keine Ambition, aus dem Rad auszubrechen, nehmen die Situation hin und verlieren das Guthaben an Güter, die ihnen keinen Mehrwert bieten. Dafür steht der rothaarige Nebendarsteller, der knapp bei Kasse ist, weil er sich die neuesten Gadgets für sein Avatar kauft, um andere Menschen zu beeindrucken. Die Parallele zu dem Phänomen Consumerism könnte nicht trauriger sein.

Dann gibt es noch jene, die sich in dieser Welt wohlzufühlen scheinen, wie der Porno-Freak. Sie haben ein ganz gutes Guthaben („Erspartes“), keine Ambitionen, Auswege aus ihrer Misere zu suchen und genießen es anscheinend, sich ständig bestimmte Inhalte reinzuziehen. Auch Bing hatte ein enormes Vermögen, jedoch keine Ziele und hat einfach vor sich hingelebt, bevor er Abi traf. Die dritte Gruppe bilden die, die aktiv einen Ausweg aus ihrem Hamsterrad suchen und ihr Leben schöner gestalten wollen. Sie strampeln ehrgeizig, sparen für ihr Ticket, üben jeden Tag, um eines Tages vor die Jury treten zu können und diesem tristen Leben zu entkommen. Dabei bietet das Prominent-Sein einen Ausweg aus diesem Leben – ganz so, wie in der Realität.

Natürlich sind die Parallelen nicht 1-1, schließlich handelt es sich hier um eine bewusste Dystopie. So kann eine Jury nicht bestimmen, was aus uns wird, sondern in der Realität suchen wir uns das selber aus. Aber ich finde es interessant, wie in der Folge deutlich wird, wie unterschiedlich die Menschen mit ihrem Guthaben umgehen – und wir als Zuschauer fragen uns, warum nicht jeder spart, sein Vermögen anhäuft und die Chance auf ein Entkommen nutzt. Nun ja. Vielleicht ist die Strampelwelt aber manchmal sogar besser, besonders in Abi’s Fall.

Die fehlende Menschlichkeit

In „15 Million Merits“ sind die Menschen außergewöhnlich kalt zueinander. Das Personal von „Hot Shot“ entfernt jegliche Freunde, die in diesem besonderen Moment den Menschen beistehen könnten, sie behandeln die Kandidaten respektlos (Bing revanchiert sich, in dem er sein Trinkpäckchen vor einer Mitarbeiterin einfach fallen lässt) und es ist den Menschen egal, ob sich ein Mensch vor ihren Augen umbringen möchte. Das Publikum, bestehend aus allen Hamstern, ermutigt Abi diesen schrecklichen Schritt zu gehen und auch die Frau in der Jury interveniert nicht vor dieser Erniedrigung, sondern bestätigt diese sogar. Der Moment, als Abi vor dieser schweren Entscheidung steht und nach hinten sieht, um zu sehen, was Bing ihr rät (der einzige Freund, den sie hat), aber er schon weggeschleppt worden ist, ist einfach herzzerreißend. Das ist der allertraurigste Moment in dieser Folge und zeigt, wie einsam und verlassen die Menschen in dieser Dystopie sind. Dort gibt es keine Freundschaften, keine Liebe und die Menschen ziehen jeden Tag ein kaltes, falsches Pokerface auf, besonders die Jury. Man sieht aber an verschiedenen Darstellern, insbesondere Bing, dass sehr wohl die Sehnsucht nach Freundschaft, menschlichem Kontakt und Anerkennung besteht.

Auch kennt diese Welt keine Scham und Intimsphäre. Es gibt Unisex-Toiletten und während Bing mit Abi spricht, ploppt auf dem Screen plötzlich Pornographie auf, die Bing nicht weiterschalten kann. Die Situation ist ihm höchst unangenehm und er versucht Abi zu zeigen, dass er das nicht sehen will, denn schließlich hat er sich in sie verliebt.

Ich finde, man kann auch hier viele Parallelen zu unserer Realität ziehen. Die Menschen verstellen sich nämlich auch hier, setzen ein Pokerface und eine Maske auf, um anderen Menschen zu gefallen oder Erwartungen zu erfüllen. Wie viele Menschen gehen ehrlich miteinander um, von wem weißt du eigentlich, wer er wirklich ist, wenn du ihn triffst? Nein, die Welt ist voll von Groll und den ständigen Versuchen, andere Menschen nach seinen eigenen Vorstellungen zu formen. Frauen versuchen sich einen Mann zu angeln, den sie gar nicht lieben, aber trotzdem heiraten wollen. Sie denken dann, sie können ihn schon verändern.  Ist das nicht absurd?  Wenn man auch mal genauer hinhört, hört man auf der Straße öfter mal Dialoge, in denen die Menschen aneinander vorbeireden, einander gar nicht zuhören und nur von „Ich, mir, mich“ erzählen. Sie versuchen damit ihren Narzissmus zu befriedigen und interessieren sich gar nicht füreinander. Sie hören gar nicht zu, wenn man ihnen etwas sagt. Stattdessen denken sie in ihrem Kopf sofort darüber nach, was sie jetzt als Nächstes erzählen. Auch in unserer Welt fühlen sich viele Menschen isoliert und alleine. Allerdings ist die Darstellung in der Episode natürlich überspitzt, trifft aber dennoch einen wahren Kern (finde ich).

Der Avatar

Besonders genial finde ich die Parallele mit dem Avatar. Denn in der „realen“ Welt laufen die Menschen alle in den gleichen grauen Anzügen herum. Sie sehen alle gleich aus und unterscheiden sich nicht. Keiner kann sich durch Kleidung individuell ausdrücken, man ist quasi ein Niemand, einer unter vielen (ein schreckliches Gefühl). Der Selbstausdruck findet dann mithilfe der Avatare statt und zwar mit Gütern, die es in der Realität gar nicht gibt. Trotzdem geben einige sehr viel Guthaben dafür aus, um mithilfe des Avatars andere Menschen zu beeindrucken – sehr absurd für uns. Die Parallele zu unsrer Realität ist aber unfassbar, denn – auch unser Körper ist nur ein „Avatar“ für unseren Geist. Er ist eine Verkleidung für unsere Persönlichkeit, unsere oberflächliche „Hülle“ und unser „Transportmittel“ auf dieser Welt, um von A nach B zu kommen. Während es immer aufs Innere und die Persönlichkeit ankommt, um einen Menschen tatsächlich zu beurteilen, ihn mögen und lieben zu können, legen sehr viele Menschen hohen Wert darauf, wie ihre „Hülle“ aussieht. Die Hülle muss immer top gepflegt sein, schön aussehen, optimiert und operiert werden. Man gibt auch einen Haufen Geld aus, um sich einzukleiden und etwas Bestimmtes darzustellen. Jetzt will ich den Individualisierungsdrang nicht schlecht reden. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich von jemand anderem zu unterscheiden und sich einzigartig zu fühlen. Diesem Bedürfnis geben wir Ausdruck, in dem wir eine individuelle Frisur, Kleidung, Accessoires wählen. Wir demonstrieren nach außen unseren Geschmack und einen Teil unsrer Persönlichkeit. Wir ziehen unser „Avatar“ an und wollen etwas nach außen darstellen, um uns von anderen signifikant zu unterscheiden. Dabei kaufen wir auch Gadgets und Güter mit Guthaben, das wir erwirtschaftet haben – und wie bei den meisten wird dieses Guthaben im Hamsterrad erzeugt.

Die Eigenverantwortlichkeit

 Bing steht auf der Bühne und sagt offen heraus, was in der Gesellschaft falsch läuft. Er fragt die Juroren, wofür die Menschen strampeln? Wozu sind diese Laufräder da? Man möchte meinen, die Menschen finden es gut, wenn man ihnen die Farce aufzeigt und jemand für sie einsteht. Aber weit gefehlt. Bing steht fassungslos auf der Bühne, denn anscheinend hat niemand verstanden, was er gesagt hat. Sowohl die Juroren als auch das Publikum sind in ihrer eigenen Welt mit Tunnelblick gefangen und gar nicht empfänglich für diese Messages. Und auch Bing ist sich bewusst, dass es einfach so weitergeht wie bisher. Er kann nichts ändern. Die Veränderung muss von den Menschen kommen und anders geht es nicht. Genauso ist es auch in unserer Realität – nur du selbst kannst deine Situation verändern. Das macht niemand sonst für dich. Fühlst du dich finanziell unsicher, alleine, gefangen, kannst nur du etwas daran ändern. Du bist der Gestalter deines Lebens und diese Aufgabe kann dir niemand abnehmen. Die Menschen in „15 Million Merits“ wollen es gar nicht anders, sonst würde jeder nach einem Ausweg suchen. Manche Menschen wollen da bleiben, wo sie sind, in ihrem Hamsterrad, in ihrer Konsumwelt, in ihrer Scheinwelt. Bing hat nun die Chance, dem Rad zu entfliehen, und er weiß genauso wie wir als Zuschauer, dass er nicht in der Lage war, die Situation der Anderen zu ändern oder sie wachzurütteln. Genauso wie in unserer Realität sind die Menschen in der Folge für sich und ihr Leben selbst verantwortlich. Diese Message finde ich in der Folge sehr eindrucksvoll!

Hast du „15 Million Merits“ gesehen? Wie hat dir die Folge gefallen? Was denkst du darüber? 

Mir ist aufgefallen, dass es auf YouTube auch viele Videos zu persönlichen Rankings der Folgen gibt. Hat jemand Lust, sich auszutauschen? Was ist deiner Meinung nach die beste Folge gewesen?

Eine schöne Woche,

Anna

Quellen: [1] Das Beitragsbild ist von http://fishsticktheatre.com/
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12 Kommentare zu „01×02 Black Mirror: „Das Leben als Spiel“ – eine Kritik am Konsumwahn“

  1. Hey Anna,
    danke für den Tipp. Ich gucke gar keine Serien, aber das hat mein Interesse geweckt. Werde den Link an meinen Freund schicken, denn das klingt danach als wenn man nach einer zusammen geschauten Folge jede Menge Stoff zum Diskutieren und gemeinsam Überlegen hat.

    Gefällt 2 Personen

    1. Hey Noemi 🙂

      Oh ja, das stimmt. Mein Freund und ich haben nach einigen Folgen auch viel gemeinsam überlegt und diskutiert 😀 Die Serie ist wirklich super, die meisten Folgen sind sehr gut durchdacht und spannend.

      Viele Grüße,
      Anna

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  2. Habe damals noch alles gesehen als es relativ neu war, sehr interessant und auch beängstigend. Letztes ist erst die neuste Staffel gekommen, die habe ich mir dann an einem Tag anschauen müssen. Dort gehts auch noch härter ab und ich sehe parallelen die in unserer Zukunft wirklich so ablaufen könnte oder in einer ähnlichen Form. Vor allem im Zusammenhang mit KI und Bewusstsein.

    Grüsse
    Thomas

    Gefällt 1 Person

    1. Welche Parallelen meinst du? Ich denke, einige Dinge, die dort behandelt werden, sind schon sehr realistisch. Allerdings bin ich gegenüber KI ziemlich optimistisch eingestellt 🙂 Die größte Herausforderung ist zur Zeit wohl, den Maschinen die Interpretation von Worten beizubringen.

      Viele Grüße
      Anna

      Gefällt mir

      1. Hallo Anna,

        Parallelen im Sinne davon das sie noch nicht ganz so ablaufen wie in er Serie, aber es in diese Richtung geht oder in naher/ferner Zukunft so sein wird. Ich denke KI wird uns von grossem nutzen sein, allerdings wenn „falsch“programmiert wird es ein Disaster, ab einem gewissen Punkt werden wir Menschen die KI nicht mehr verstehen.

        Grüsse
        Thomas

        Gefällt 1 Person

  3. Seit wir Netflix haben, schaue ich nun wieder viele Serien. Black Mirror ist echt top. Meine Lieblingsfolge war „Black Mirror 3×04: San Junipero – San Junipero“, wo sich 2 Frauen ineinander verlieben, obwohl eine bald heiratet. Ebenso die Folge übers Dating in 4×04: Hang the DJ – Hang the DJ fand ich cool. Die Serie wird mit jeder Staffel besser und tiefgründiger.

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Jenny!

      Die Folgen sind meiner Meinung auch sehr, sehr gut (vor allem auch die wenigen, die ein Happy End hatten). Besonders schlimm fand ich dagegen „White Bear“, „Shut Up and Dance“ und „Metalhead“. Aber keine Folge war so gut wie „The Entire History of You“ (finde ich^^) Bin schon gespannt, was es für weitere Geschichten gibt.

      VG

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      1. Ja, die erste Folge war echt geschmacklos 😀 Aber so schlecht fand ich die gar nicht. Da gab es schlechtere, find ich, z.B. die Folge mit Waldo oder Crocodile …

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  4. Hallo Anna
    Ich habe die Folge vor ein paar Tagen gesehen. Ich liebe solche Serien oder Filme, wo man einfach staunt und ein wenig aus der Komfortzone geschubst wird. Es gingen mir so viele Gedanken und Beobachtungen durch den Kopf, während ich die Folge schaute. Ich könnte sie nicht in Worte fassen. Du hasst sie alle perfekt beschrieben können, so dass ich deine Beobachtungen vollkommen teile. Die Episode erinnert mich ein wenig an Wall-E. Dort sind die Menschen auch nur vor ihren Computer gelebt und dabei ging die Welt unter. Die Andeutungen auf unsere Gesellschaftsentwicklung sind berechtigt und besorgniserregend. Zum Beispiel als Bing die 15 Mio. sparen wollte, hat er Monate lang dafür geschuftet, an Zahnpasta gespart und essen „geklaut“ und ohne Emotionen gelebt. Ist es das Wert im echten Leben ein Leben lang das zu tun um aus dem Hamsterrad rauszukommen? Ich verteidige nicht die, die es aus Bequemlichkeit lieber sich an die Umwelt anpassen und nicht aus dem Hamsterrad raus wollen. Ich denke aber da gibt es kein richtig oder falsch. Man sollte den Mittelweg gehen. Versuchen zu sparen, aber so dass man glücklich bleibt und das Leben geniesst. Übrigens fand ich auch interessant, dass der Apfel teurer war als Fastfood. Für mich war der traurigste Moment aber, als Bing endlich sein Auftritt hatte und alles sagen konnte, doch die Leute haben es nicht begriffen. Da war der Zeitpunkt, als man merkte, dass die Leute hoffnungslos verloren waren. Was ich noch nicht einordnen konnte war das Verhalten der Jury. Waren sie quasi „Aussenstehende“? Haben sie die Leute bewusst im Hamsterrad gehalten oder waren sie Teil dieser Gesellschaft, einfach privilegierter (Orangensaft und grosse Zimmer)? Was ich auch noch nicht verstehen konnte, waren die Putzkräfte. Waren die quasi Sträflinge, oder eine 2.Klassen-Gesellschaft? Hatten Sie schlechtes Karma und waren auf der „Tafel“ nach unten gerutscht? Sie hatten ja kein Geld und haben nicht gepaddelt.
    Ich liebe solche Serien und liebe es darüber nachzudenken. Ich hab zum Glück erst die 1. Staffel gesehen und habe noch einige spannende Episoden vor mir. 🙂

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    1. Hey 🙂 Wow, cool, so kleine Details waren mir gar nicht aufgefallen. Stimmt, der Moment, als den Menschen die Antwort auf dem Silbertablett serviert wurde und sie es dennoch nicht verstanden, war wirklich krass. Wie die Jury dann reagiert hat, war auch echt übel. Es ist, als ob alles abgeperlt sei. Der eine hat ja dann auch einfach nur runtergespult, was er sonst immer sagt: „Das war – mit Abstand – die beste Rede …“. So, als ob er das bei jedem Kandidaten sagt und gar nicht verstanden hat, was Bing sagte. Ich habe mich auch schon gefragt – ist die Jury (wie jeder andere auch) Teil dieses Systems oder Strippenzieher? Ich glaube, die Putzkräfte waren in der Tat eine Art 2. Klasse. Es gab ja sogar Spiele, wo man sie abschießen konnte und sich über sie lustig gemacht hat. Vielleicht soll das eine Art „Strafe“ dafür sein, dass sie nicht strampeln (aber wieso machen sie es nicht? ‚Dürfen‘ sie denn nicht?). Die Folge lässt einige offene Fragen 🙂
      Viel Spaß bei den anderen Folgen 🙂

      Gefällt 1 Person

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