Die gute Tat von Nanking

Let’s donate: John Rabe & Nanking

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Christian Bale ist ein begnadeter Schauspieler. Das wissen wir nicht erst seit dem Film Der Maschinist. Heute soll es aber um einen ganz bestimmten Film gehen, der mich zutiefst nachdenklich gestimmt hat – aber lest selbst.

Im Historien-Drama The Flowers of War spielt Christian Bale den Amerikaner John Miller – einen Bestatter, der die Aufgabe hat, einen verstorbenen Priester beizusetzen. Die Geschichte spielt in Nanking, China im Jahre 1937/38. In diese Zeit fällt der Zweite Japanisch-Chinesische Krieg und das Drama thematisiert den Angriff Japans auf China.  Am 13. Dezember 1937 überrennt die Kaiserlich Japanische Armee Chinas damalige Hauptstadt Nanking. In unserer Geschichte haben es allerdings nicht alle geschafft, rechtzeitig aus der Stadt zu fliehen, bevor die Invasion begann. Zahlreiche Schülerinnen aus einer chinesischen Schule haben die Schiffe, die Nanking verlassen sollten, nicht erreicht. Sie fliehen deshalb zur Kirche (wo sich ihre Schule befindet) und stoßen auf ihrem Weg auf John Miller, der sie begleitet. Die Stadt befindet sich mitten im Krieg.

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An der Schule, treffen die Mädchen und John Miller auf einen Jungen namens George, der dem Priester immer mal wieder aushalf. Er teilt mit, dass es gar keine Beerdigung geben werde – der Leichnam wurde von einer Bombe getroffen und könne nicht bestattet werden. Etwas widerwillig bleibt John Miller dennoch vorübergehend in der Schule. Schon kurze Zeit später möchte sich eine Gruppe von Prostituierten in der Kirche einquartieren, da sie sich Schutz erhoffen und die Flüchtlingslager überfüllt sind. Sie verstecken sich die weitere Zeit im Keller unter der Küche. Die jungen Schülerinnen und die Prostituierten kommen zunächst nicht so gut aus.

Als allerdings die Kirche von der japanischen Armee gestürmt wird, und die Schülerinnen nicht rechtzeitig das Versteck im Keller erreichen, sind sie trotzdem schweigsam über den Verbleib der Frauen. John Miller gibt sich bereits als der Priester der Kirche aus und versucht mäßigend einzuwirken, als die Soldaten die jungen Mädchen vergewaltigen wollen. Als der japanische Colonel Hasegawa eintritt, kehrt Ruhe ein – er entschuldigt sich für das Verhalten seiner Soldaten, lässt den Mädchen, John Miller und George Kartoffeln zurück und verspricht vorübergehenden Schutz. Aber er kündigt einen weiteren Besuch an – er möchte die jungen Mädchen nämlich gerne singen hören. Yu Mo, eine der Prostituierten, lobt John Miller für seinen selbstlosen Einsatz und offenbart ihren Wunsch, dass er mit seinem westlichen Aussehen versuchen solle, sie und alle anderen aus der Stadt zu schaffen. George und die Schülerinnen sprechen sich allerdings dafür aus, weiterhin in der Kirche zu verbleiben. Gleichzeitig versucht John Miller einen alten Truck zu reparieren, um für eine Fluchtmöglichkeit bereit zu sein. Yu Mo und John Miller kommen sich mit der Zeit näher.

Einige Tage später kommt der Colonel zurück – um sich eine Probeaufführung der Schülerinnen anzuhören und mit einer Einladung in der Hand, die die jungen Mädchen zum Singen bei der Siegesfeier auffordert. Allen Beteiligten ist klar, worum es wirklich geht und nun kann der Colonel für keine weitere Sicherheit mehr garantieren. 13 Schülerinnen (12 Schülerinnen und eine Prostituierte, die zufällig in die Aufführung geriet) wurden gezählt und bei der Feier erwartet. Yu Mo möchte sich – zusammen mit den anderen Frauen – opfern, um den Mädchen das Leid zu ersparen und ihnen die Chance auf Flucht offen zu lassen. Nicht alle sind begeistert von dem Vorschlag, besonders nicht diejenige, die sich irrtümlicherweise in die Aufführung verirrt hatte. Da es allerdings nur 12 Frauen sind, meldet sich George, um sich als „13. Mädchen“ aufzuopfern.

Die Nacht ist schlaflos und lang. John Miller schminkt und frisiert George und die Frauen, damit sie den Mädchen ähnlich sehen. Jeder der Frauen nimmt eine scharfe Glasscherbe mit, um „so viele Japaner wie möglich in den Tod mitzunehmen.“ Am Tag der Abholung werden die 12 Frauen und George unauffällig abgeführt – bis die irrtümlich gezählte Frau panikerfüllt ruft, dass sie keine Schülerin sei und nicht mitgenommen werden wolle. Die japanischen Soldaten verstehen allerdings kein Chinesisch, weshalb ihr Rufen unverstanden bleibt. Als die Soldaten von dannen gefahren sind, macht sich John Miller auf den Weg zu den Schülerinnen, belädt mit ihnen den Truck und versteckt sie unter Weinkisten. An der Stadtgrenze passiert er die Kontrolle mit einem Passierschein. Die Mädchen sind in Sicherheit gebracht worden – und was mit den Frauen passierte, haben sie nie erfahren.

Eine wahre Geschichte

Die Liebe zwischen Yu Mo und John Miller ist zwar erfunden. Und auch die Geschichte um die Schule und die Mädchen. Aber das Szenario rund um den Film leider nicht. Das, was im Film thematisiert wird, ist tatsächlich passiert und leider als das Massaker von Nanking in die dunkle Geschichte des letzten Jahrhunderts eingegangen. Es ist wirklich surreal, was man lesen kann, wenn man sich näher informiert. Innerhalb von sechs bis sieben Wochen wurden mindestens 200.000 Zivilisten und Kriegsgefangene und rund 20.000 Mädchen und Frauen vergewaltigt und auf brutalste Weise ermordet.

Aber – und auch das ist wahr – es gab einen Mann, der in dieser schlimmen Zeit  enormen Mut und Menschlichkeit bewiesen hat! Die Rede ist von John Rabe, der von den Chinesen als der „deutsche lebende Buddha“ beschrieben und noch heute geehrt wird.

John Rabe wurde 1882 in Hamburg geboren. Nach seiner kaufmännischen Lehre arbeitete er 3 Jahre in Afrika und ging 1908 nach China. Von 1911 — 1938 arbeitete er bei der Siemens China Co., und war ab 1931 sogar der Geschäftsführer einer Niederlassung in Nanking. Als die Verbrechen begannen, setzte er sich dafür ein, eine 4 km² große Schutzzone zu errichten, die die chinesische Bevölkerung vor den Gräueltaten der japanischen Soldaten schützen sollte. Zusätzlich nahm er ca. 650 Menschen auf seinem Grundstück und in seinem Haus auf. Die Japaner hatten Respekt vor den Ausländern, was Rabe auszunutzen versuchte. Aufgrund der deutsch-japanischen Bündnisse (z.B. dem Antikominternpakt) konnte er sein Anwesen vor Bombardierungen und dem Eindringen japanischer Soldaten weitgehend schützen.  Insgesamt konnte Rabe mehr als 200.000 Chinesen das Leben retten.

Im Februar 1938 folgte eine Anordnung von Siemens China Co., China zu verlassen. Nachdem er dem nachgekommen ist, versuchte er in Deutschland mit zahlreichen Vorträgen auf die japanischen Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen. Sogar ein Appell an Adolf Hitler folgte – mit der Bitte auf die Japaner mäßigend einzuwirken. Leider hatte dieser Bericht eine kurzzeitige Verhaftung der Gestapo zur Folge, wobei sämtliche Filmaufnahmen des Massakers von Nanking beschlagnahmt wurden und ihm alle weiteren Vorträge und Veröffentlichungen untersagt wurden. Seine Tagebücher durfte er behalten. Sie wurden im Dezember 1996 veröffentlicht und einige Auszüge sind für uns heute auf www.john-rabe.de einsehbar.

Heute wird John Rabe wegen seiner humanitären Verdienste geehrt. Nicht nur, dass er sich immer wieder in Lebensgefahr brachte, um seinen Mitmenschen zu helfen. Nein, er hatte sogar die Zivilcourage in einer verbündeten Diktatur über die Kriegsverbrechen offen zu sprechen und aufzuklären. Dieser enorme Mut  wurde 2003 dabei auch durch den Bundespräsidenten Johannes Rau von deutscher Seite offiziell gewürdigt. Mit Unterstützung von Siemens wurde nun der damalige Wohnsitz 2005 renoviert und eine Gedenkhalle errichtet, die seit 2006 besichtigt werden kann. Im Jahr 2005 wurde vom Enkel Thomas Rabe dann auch in Heidelberg das John Rabe Kommunikationszentrum e.V. eröffnet. Das Zentrum ist ein Friedensinstitut, das einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten will. Die chinesisch-japanischen Beziehungen sind aufgrund dieser Ereignisse des letzten Jahrhunderts noch immer stark belastet. Dabei hat Japan bis heute Schwierigkeiten, die Geschehnisse in Nanking aufzuarbeiten.

Zum Weiterlesen und Weiterschauen (kein Affiliate): The Rabe of Nanking von Iris Chang, The Good Man of Nanking (Tagebücher), John Rabe – Der Film

Das John Rabe Kommunikationszentrum e.V. in Heidelberg möchte einen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen China und Japan leisten, sowie die internationale Friedensforschung vorantreiben. Das Zentrum möchte ferner Informationen über John Rabe und sein Wirken in China bereitstellen und für Aufklärung sorgen.

Das Spendenkonto

John Rabe Kommunikationszentrum e.V.
Sparkasse Heidelberg
IBAN-Code: DE94672500200009058117
BIC Code: SOLADES1HDB
BLZ: 672 500 20
Kontonummer: 9058117

Mit einer Spende besteht zusätzlich die Möglichkeit, sich für den geschützten Mitgliederbereich freischalten zu lassen.

Ich wünsche euch frohe Ostern!

Anna

Quellen: [1] Massaker von Nanking [2] The Flowers of War [3] John Rabe

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