Das Höchste aller Ziele — Selbstverwirklichung

Ich habe zunächst geschmunzelt. Ich finde, das Thema ist ziemlich persönlich, aber Christian hat Recht — Bloggen hat immer etwas mit Offenheit zu tun. Dabei ist mir der Beitrag sehr leicht von der Hand gegangen und ich hatte plötzlich schon fast 1200 Wörter zusammen. Ich könnte noch viel mehr schreiben 😀 Hier ist also mein Beitrag zur Blogparade Selbstverwirklichung von Investkinx.

Was ist Selbstverwirklichung? Im Alltagsgebrauch sagen wir, dass es die möglichst weitgehende Realisierung der eigenen Ziele, Wünsche und Sehnsüchte ist. Oscar Wilde sagt dazu, dass man „das eigene Wesen völlig zur Entfaltung bringt.“ Genau so verstehe ich diesen Begriff auch:

Selbstverwirklichung ist, wenn man quasi völlig man selbst ist, bei allem, was man sagt, wie man sich zeigt und bei allem, was man tut.

Wenn man sich selbst verwirklicht hat, dann fühlt sich das Leben irgendwie „rund“ an. Alles hat sich irgendwie harmonisch eingefügt und man hat immer wieder leise Momente, in denen man inne hält und merkt, wie großartig oder traumhaft das eigene Leben ist. Oder Momente, in denen man wirklich fühlt, dass alles genau richtig ist, wie es ist.

Nach der Maslow’schen Bedürfnispyramide ist Selbstverwirklichung die Spitze. Dabei — finde ich — vermischt sich dieses Thema noch mit anderen Aspekten, die weiter unten in der Hierarchie stehen. Ich glaube, in den Industriestaaten befinden sich übrigens so gut wie alle Menschen auf dieser Ebene. Wir haben jetzt Zeit und die Möglichkeit, uns um die Qualität unserer Beziehungen zu kümmern, um die Arbeit, die wir erledigen und und und. Aber so leicht ist es mit der Selbstverwirklichung nicht, finde ich. Sie erfordert Mühe, Anstrengung und Arbeit. Und allen voran: Mut.

Woran merken wir, dass wir unsere Träume leben?

Woran merken wir, dass wir unsere Träume leben? Ich denke, ein sehr guter Indikator ist unsere Intuition. Unser Bauchgefühl. Sie warnt uns, wenn etwas nicht so ist, wie wir es uns wünschen. In der Tat, glaube ich, dass wenn man auf seine Intuition hört, ein besseres Leben führt.

Ich denke, Selbstverwirklichung äußert sich schon im Kleinen. In unserer Lieblingsfarbe, unserem Lieblingsessen, unseren Lieblingsfilmen, die Kunst, die uns gefällt, die Bücher, die wir lesen, die Produkte, die wir auswählen, die Reiseziele, die wir ansteuern. Selbst die Wahl der Frisur gehört zur Selbstverwirklichung. Es geht auch um die Art wie wir leben und nach welchen Grundsätzen wir unsere Entscheidungen treffen. Mag ich es, von vielen Dingen umgeben zu sein? Fühle ich mich von Luxusprodukten angezogen? Gehe ich lieber auf Parties oder unternehme etwas Gemütliches?

All diese Präferenzen und Gewohnheiten machen uns zu der einzigartigen Person, die wir sind. Dabei wissen wir oft gar nicht, was wir wollen, bis wir es nicht ausprobieren. Das ist wirklich absolut spannend — auch für uns. Wir träumen von bestimmten Dingen, aber wenn sie dann da sind, dann merken wir, dass es uns gar nicht so wichtig war. Oder uns etwas Anderes wichtig ist. Wenn man selbstaufmerksam ist, kann man aus solchen Situationen lernen und kommt dann schneller ans Ziel — zum Glück.

Denn Glück ist das, wonach jeder Mensch strebt.

Eine Erfahrung, die mir eine Lehre war

Als ich noch klein war, hatte ich eine Freundin, die extrem viel Spielzeug hatte. Es waren keine teuren Dinge, aber eben sehr viele. Ich hatte nicht so viele. Das war vielleicht das erste Mal, dass ich dachte, dass es erstrebenswert sei, viele Dinge zu besitzen. Als ich mich damals bei Kleiderkreisel angemeldet habe, schlug es dann in die Wirklichkeit um. Dort diskutieren tausende Frauen in irgendwelchen Threads über die 294 Parfums, die sie besitzen oder die 1391 Oberteile, die nutzlos im Schrank hängen. Das waren Menschen vom Schlag wie meine damalige Freundin — es waren keine teuren Sachen, aber eben ein gigantischer Haufen recht günstiger Ware.

„Wow“, dachte ich, „das will ich auch!“

Also habe ich mich dran gemacht, das auch aufzubauen. Ich habe keine Präferenz für das Billigste, deswegen rangierte ich im mittelpreisigen bis oberpreisigen Bereich. Ich hab jeden Monat Parfums, Oberteile, Schuhe, Nagellack (benutze ich gar nicht, habe ich festgestellt), Schmuck und irgendwann auch sehr, sehr teure Taschen gekauft. Es war unfassbar anstrengend. Ich musste mich immer dazu zwingen, aber ich dachte, das würde mich glücklich machen. Hinter diesem Verhalten steht wohl der Gedanke, dass eine große Auswahl erstrebenswert sei. Ich habe nur übersehen, dass das keines meiner Bedürfnisse ist.

Mich erinnert das Ganze an einen Beitrag von Mr Money Mustache. Er hat es auch mal ausprobiert, wie es ist, wenn er aufhört, sparsam zu sein und mal richtig alles raushaut. Er kam zu dem gleichen Ergebnis — es war anstrengend. Es hat mich überhaupt nicht glücklich gemacht.

2016 habe ich aufgehört zu kaufen, und vor einer Weile habe ich einige Taschen verhökert. Wie fühle ich mich? Oh Gott, das war wirklich wohltuend. Das Ganze ist mir eine große Lehre und macht mir deutlich, wie ich bin: Ich fühle mich mit soviel Kram unwohl, es ist anstrengend für mich und fühlt sich überhaupt nicht natürlich an. Auch was Anziehen, Frisuren und Nagellack angeht, bin ich anscheinend eher jemand, der gar nicht so viel variiert.  Das macht so eine große Auswahl natürlich unnötig. Das Optimum in diesem Bereich ist wohl für mich, ein paar wenige, aber dafür mittelpreisig bis luxuriöse Dinge.

Das scheint sich nicht nur auf „Dinge“ zu beschränken, sondern auch auf meine Beziehungen. Ich habe jahrelang versucht, viele Freundschaften auf einmal aufzubauen und zu halten. Es ist doch toll, wenn man viele tolle Freunde hat? Dabei merke ich, dass ich mit einigen wenigen, aber dafür qualitativ großartigen Beziehungen mich sehr gut, wohl und zuhause fühle. Eines der spannendsten und intensivsten Erfahrungen im Leben ist wohl, mit jemandem gemeinsam durch Dick und Dünn zu gehen und gemeinsam alt zu werden (denke ich.)

Eine Reise, die niemals endet 

Und so kommt man durch Ausprobieren dazu, wie man wirklich ist. Man erfährt, was sich gut anfühlt und was nicht. Bei einigen Dingen, weiß ich schon felsenfest, wie ich sie möchte und wie nicht. Bei anderen Dingen bin ich mir natürlich nicht so sicher. Wie stehe ich zum Thema Heiraten? Das weiß ich nicht so genau. Wo möchte ich leben? Das sind Fragen, die noch beantwortet und ausprobiert werden müssen.

Was mir hilft, ist die Weiterbildung durch Bücher. Ich bin felsenfest überzeugt, dass man sich mit Büchern viel, viel schneller entwickelt als ohne. Natürlich muss man immer eigene Erfahrungen machen, unbestritten. Aber gerade von erfahreneren Menschen zu lernen, finde ich unfassbar wertvoll. Man sollte auch Menschen, die sich komplett entfalten und ihr Traumleben leben, zuhören und von ihnen lernen. Wenn man solche Bücher liest und solchen Menschen zuhört, versteht man die Welt irgendwie besser.

Besonders einprägsam finde ich dabei Dale Carnegie How To Make Friends And Influence People und Harry Browne’s How I Found Freedom in an Unfree World.

Fazit

Ich denke, die Selbstverwirklichung ist eine Reise, die niemals endet. Man muss immer ausprobieren, was zu einem passt. Dabei finde ich es nicht schlimm, auch andere Ideen zunächst zu übernehmen und zu sehen, ob sie zu einem passen. Durch Bücher, neue Bekanntschaften und Freundschaften, Reisen und Erlebnisse kommt man zu neuen Erkenntnissen. So kann man für die Zukunft immer bessere Entscheidungen treffen — und glücklicher leben!

Schöne Woche 🙂

Anna

 

 

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4 Kommentare zu „Das Höchste aller Ziele — Selbstverwirklichung“

  1. Das was du mit Kleidung, Taschen und Kosmetik beschreibst, hatte ich mit Computerspielen: Auf meinen Accounts bei steam, gog, origin, etc. befinden sich rund 2500 Computerspiele, weil ich immer, wenn etwas im bundle oder zeitlich begrenzten Angebot günstig war, und halbwegs so aussah, als könnte ich Lust darauf haben, das einfach gekauft habe. Vor ca. 2 Jahren habe ich dann auch irgendwann mal realisiert, dass ich die nie alle spielen werde, dafür mache ich zu gerne viele andere Dinge lieber (z.B. Radtour oder Netflix mit Freunden). Jetzt kaufe ich nur noch ein Spiel, wenn ich es tatsächlich auch in absehbarer Zeit wirklich gerne spielen will, das sinnlose Sammeln war auch schon eher Stress, als dass es Freude bereitet hätte. Und das gesparte Geld lege ich seitdem in einem bunten Portfolio (Festgeld, Aktien, ETF, P2P, Genossenschaft, etc.) an, die Art von Sammlung gefällt mir jetzt besser 🙂

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  2. Hallo Anna,

    schön, dass du an der BlogParade teilnimmst und dich an dieses Thema ran getraut hast. Dein Beitrag ließt sich sehr gut. Dadurch merke ich, dass es dir leicht gefallen ist zu schreiben.

    Mir stellt sich beim Lesen deines Beitrages die Frage, was würdest du gerne in deinem Leben als Highlight erreichen oder machen? Wo würdest du im hohen Alter gerne sagen, dass du dich in deinem Leben selbstverwirklicht hast? Gibt es da etwas bei dir?

    King regards,
    Chris

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Chris,

      also das gehörte zu den Fragen, die ich zu persönlich fand 😀 Ich habe ein Ziel, was Geld betrifft, das ich eigentlich nur mit meiner Familie bisher geteilt habe und das auch so belassen möchte. Aber darüber was man im hohen Alter von mir sagen soll, weiß ich gar nicht so genau. Es kann nämlich sein, dass diese Ziele, die ich mir setze, etwas sind, was ich gar nicht will, nur weiß ich es jetzt eben noch nicht. Ich weiß halt vieles über mich noch nicht so genau 😀 Das wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen. Mich selbstverwirklicht habe ich, wenn ich einen Zustand erreicht habe, der auf den zweiten Absatz zu trifft. Das habe ich schon in einigen Teilbereichen erreicht, aber noch nicht „gesamt“. Es erfordert halt auch viel Arbeit und Mühe — kaum etwas Erstrebenswertes kommt einfach so einem zugeflogen, glaube ich …

      Viele Grüße 🙂

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