Wie man Vermögen aufbaut – mit und ohne Zeit – Teil 2

Letzte Woche haben wir uns angesehen, was passiert, wenn man nichts spart und von der Hand in den Mund lebt — oder schlimmer noch, Kredite aufnimmt, um seinen Lebensstil zu finanzieren. Heute besprechen wir, wie man Vermögen aufbauen kann. Man hat dazu im Wesentlichen zwei Stellschrauben: Die Reduktion deiner Ausgaben, und die Erhöhung deiner Einnahmen. Um Vermögen aufbauen zu können, müssen deine Einnahmen immer größer als deine Ausgaben sein.

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Vermögensaufbau mit Zeit. Erarbeiten wir zunächst, wie man Vermögen aufbaut, in dem der Faktor Zeit eine Rolle spielt. Im Wesentlichen geht es darum, einen Teil seines Einkommens zu sparen, und die Differenz dann renditestark anzulegen. Die Rendite sollte dabei >2% betragen, denn das ist die gewöhnliche Inflationsrate, die die Kaufkraft deines Geldes Jahr für Jahr mindert. Damit fallen als Anlage viele Produkte schon weg, z.B. Tagesgeldkonten, die jährlich max. 1% bringen. Am Häufigsten wird dabei als Anlage die Börse (Indexfonds oder Einzelaktien) gewählt. Dabei erhält man, je nach Strategie,  Renditen von 5 — 25 % p.a. und wartet, bis sich der Zinseszins exponentiell entfaltet. Sehen wir uns zum Beispiel mal an, was passiert, wenn wir €10.000 zu 15 % p.a. anlegen und jährlich noch €10.000 zusätzlich sparen:

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Die magische €1.000.000 ist nach 20 Jahren erreicht. Bei einer realistischeren Rendite von 8% erreicht man diese Zahl nach 29 Jahren. Mit €1.000.000 im Depot muss man nicht mehr arbeiten und kann dennoch ein mittelständisches, angenehmes Leben führen.

Je mehr man zurücklegen kann, desto schneller kann es gehen. Man muss dabei aber seine Ausgaben kürzen und sich in Einschränkung üben, weil man sparen muss. Alternativ kann man die Einnahmen hochschrauben. Bei der bevorzugten Quelle des Einkommens — der klassischen Arbeit, bei der man Geld gegen Zeit tauscht — muss man aber mit vielen Einschränkungen leben. Gehaltserhöhungen und der Wechsel des Arbeitsplatzes, um ein besseres Gehalt zu erhalten, sind nach oben gedeckelt. Man wird also irgendwann bei der Maximierung seiner Einnahmen bei dieser Methode leider an Grenzen stoßen. Auch die maximale Einnahme am Tag ist mit dem Faktor 24 (denn der Tag hat ja 24 Stunden) erreicht. Gleichzeitig stoßen auch die Ausgaben an Grenzen, und man muss nun viele Jahre, sogar Jahrzehnte so durchhalten, bis man sehr großen Wohlstand erschaffen hat. Mit der Zeit werden die Dividenden von 100,00 € monatlich auf 500,00 € klettern. Man arbeitetet weiter und verzichtet auf den Starbucks-Coffee, denn jeder 1€ könnte in 30 Jahren 1000 € wert sein.

Diese Vorgehensweise kann sich, je nachdem wie man es kennt und gewöhnt ist, als sehr anstrengend und entbehrend entpuppen. Und eben auch frustrierend. Das größte Problem ist aber, dass man den Faktor Zeit hier mit einbindet und sogar die meiste Arbeit machen lässt. Bis das Vermögen einen nennenswerten Wert erreicht, muss man sich Jahrzehntelang in Geduld üben. Zeit heißt, dein Leben für 8% p.a. Selbst wenn man mit 18 Jahren anfängt, wird es lange dauern, die erste Million auf diese Weise aufzubauen, aber die Jugend ist weg. Zudem gibt man das Geld an Märkte ab, die man nicht kontrollieren kann. Wenn du dein Geld in einem ETF DAX hält, hast du keine Kontrolle über die Entscheidungen von VW, Fresenius und Allianz oder Blackrock, dessen ETF du gekauft hast.

Beim Vermögensaufbau via Börse kombiniert man also seine endliche, nie wieder zurückkehrende Lebenszeit mit unkontrollierbaren Faktoren, auf die man keinen Einfluss nehmen kann, besonders nicht als Kleinaktionär.

Diese Methode ist an sich nicht das größte Übel, schlimmer wäre es noch, am Seitenrand zu stehen, gar nichts zutun und dem Geld beim Schmelzen zuzusehen. Man muss sich aber dringend bewusst sein, dass der Vermögensaufbau mit der Börse nicht für jeden Menschen das Richtige ist, sondern nur für folgende Ziele geeignet ist:

  • Du möchtest deine Rente aufhübschen.
  • Dir macht deine Arbeit (Zeit gegen Geld tauschen) Spaß oder bringt dir andere Vorteile (interessante Aufgabe, Kontakte, …)
  • Du lebst ohnehin sehr sparsam und bevorzugst es, einen bescheidenen Lifestyle zu leben,
  • Du möchtest etwas schneller in Rente gehen als üblich.
  • Du fühlst dich in der Mittelschicht wohl und möchtest diesen Lebensstandard erhalten.

Für alle anderen, ist diese Methode nicht das Richtige. Alle anderen Menschen müssen mit Frugalismus und dem möglichst harten Sparen ihre Lebensträume für die Jugend begraben. Mir ist das leider bewusst geworden, als ich mir vor ein paar Wochen eine semi-professionelle Schere gekauft habe, um mir in Zukunft den Friseur zu sparen. Oder dass ich mich dabei ertappe, zu kalkulieren, dass meine Brille auf Dauer günstiger ist als das Tragen von Kontaktlinsen — wobei mir der Gedanke an ewiges Brillentragen wirklich Unbehagen bereitet. Am Anfang letzten  Jahres habe ich auch meine Kosmetik-Besuche gekappt, keine gemachten Nägel mehr und auch keine gemachten Wimpern, was insgesamt 100€ zusätzliche Fixkosten pro Monat waren. Ja, dieses Geld habe ich jetzt gespart und es arbeitet fleißig an der Börse für mich. Und, es ist natürlich jedem außer mir egal, wie ich aussehe. Einige sagen, es sieht sowieso scheiße aus. Meinetwegen.

Das sind zwar natürlich nicht meine großen Lebensträume, aber ich merke langsam, wie ich an meine Grenzen stoße, weil ich langsam realisiere, dass das nicht mehr ich bin. Nein, die Brille gehört nicht zu mir und war ursprünglich als Überbrückung gedacht, weil meine Augen einige Zeit lang sehr gereizt waren. Ein paar Monate oder 1 Jahr auf Kontaktlinsen zu verzichten, okay. Aber wenn ich darüber nachdenke, das Ganze mindestens 10, wenn nicht gar 20 oder 30 Jahre, durchzuhalten, werde ich einfach nur traurig.

Wünscht man sich einen besonderen Lifestyle, exotische Reisen oder (man darf es ja gar nicht aussprechen) gar einen Ferrari oder Lamborghini, heißt das also mit dieser Art des Vermögensaufbaus: Vergiss es. Bis man fähig ist, sich so ein Auto zu leisten, ist man 60,70,80, die Jugend ist unwiederbringlich fort und eigentlich hat sich der Traum trotz des jetzt vorhandenen Geldes ausgeträumt. Wie viele Jahre kann man großen Wohlstand genießen mit dieser Methode, bevor man stirbt? Nicht sehr lange. Macht denn die Gesundheit in dem Alter noch mit, wenn man vorhat, auf Reisen zu gehen? Am Ehesten werden sich die Enkel über das Erbe freuen und vielleicht leistet sich ja einer von ihnen den Ferrari? Wer weiß …

Wenn man im Jahre 1919 $40 (inflationsbereinigt heute etwa $600) in Coca-Cola-Aktien investiert hätte, hätte das Gekaufte im April 2012 einen Wert von $9,8 Millionen gehabt. Das ist mathematisch und faktisch einwandfrei, aber wie realistisch ist das in Bezug auf unser Leben? Nehmen wir an, derjenige wäre 16 gewesen (was schon sehr jung ist), als er es investiert hat, also geboren im Jahre 1903. Nicht nur, dass bis dahin kein Krebs besiegt werden musste, zwei Weltkriege irgendwie überlebt werden mussten und sonstige Zwischenfälle nicht vorkommen durften, derjenige muss für dieses Ergebnis im Jahr 2012 im Alter von 109 Jahren immer noch am Leben sein. Wenn man aber realistisch kalkuliert, was haben wir dann? Richtig, einen toten Multimillionär.

Wenn du Menschen triffst, die durch diese Methode reich geworden sind, dann wirst du feststellen, dass sie alle alt sind. Ähnlich wie in einem Job, spielt der Faktor Zeit die entscheidendste Rolle. Da aber unsere Zeit begrenzt ist, und man bei der Börse das Geld in unkontrollierbaren Gefilden arbeiten lässt, ist das nicht die beste Lösung, glaube ich.  

Manche Menschen wissen das und wollen trotzdem mehr. Das sind diejenigen, die anfangen zu zocken. 

Diese betreiben dann Market-Timing oder spielen Lotto an der Börse, um den großen Gewinn einzufahren und die Rendite massiv zu steigern. Das ist natürlich eine Möglichkeit, schließlich schießen die Bitcoin-Millionäre gerade wie Pilze aus dem Boden. Das Entscheidende bleibt aber auch hier, dass man das, was man da tut, nicht kontrollieren kann. Hier spielt Glück eine große Rolle, auf welches Pferd man setzt. Die Wahrscheinlichkeit mag größer sein als beim Lotto, aber trotzdem ist es eine Art Glücksspiel mit unkontrollierbaren Faktoren.

Aber Warren Buffett ist damit reich geworden! Warren Buffett hat seine ersten, geschäftlichen Erfahrungen als Grundschulkind gemacht und bereits in dem Alter angefangen zu sparen. Wenn man mit 5 anfängt, und es zugleich sehr gut macht, hat man vielleicht wirklich eine Chance, mit 30 Millionär zu sein. Tatsächlich streben viele an, Renditen wie Buffett einfahren, also etwa 20 % p.a. trotz Rezession und Baisse. Und auch Buffett hat sich das Erreichen seiner ersten Million im Alter von 35 errechnet:

„Als er bei seinem Freund Stu Erickson auf der Veranda saß, verkündete Warren, er werde mit 35 Jahren Millionär sein. Für ein Kind in der von der Zeit der Wirtschaftskrise geprägten Atmosphäre von 1941 war das eine kühne, ja beinahe einfältige Aussage. Aber seine Berechnungen – und das Buch – sagten ihm, dass es möglich war. Er hatte noch 25 Jahre und er brauchte mehr Geld. Aber er war sicher, dass er es schaffen könnte. Je mehr Geld er in frühen Jahren ansammeln konnte, desto länger könnte dieses Geld Zinsen bringen und desto besser standen die Chancen, dass er sein Ziel erreichen würde.“ (Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball* von Alice Schroeder)

Aber sag mir, wenn man mit 20 oder 30 beginnt, Fussball zu spielen, denkst du, man kann es professionell machen und in ein paar Jahren in der WM mitspielen? Menschen, die Profis und sehr gut auf einem Gebiet sind, haben schon sehr früh mit ihrer Übung angefangen, also schon im Kindesalter. Diese Menschen verzichteten mit 11 Jahren auf das Wochenende, um im Verein zu trainieren und immer besser zu werden. Zugleich sind das idealerweise die Kinder, die ein besonderes Talent haben, sodass ihr Fortschritt überdurchschnittlich schnell sein dürfte. Und so einer ist Warren Buffett.

Ein entscheidender Unterschied ist zudem, dass Buffett stets bemüht war, Kontrolle auszuüben. Er besuchte schon früh Hauptversammlungen und versuchte, auf seine Unternehmen, an denen er Beteiligungen hielt, Einfluss zu nehmen. Buffett war jahrzehntelang besessen, Geld zu vermehren. Er hat seine Kinder  und Frau vernachlässigt, um sich der Börse zuzuwenden. Seine Frau Susan Buffett hat sogar sein Zimmer mit Dollarzeichen tapeziert. Nein, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man nicht wiederholen kann, was er getan hat. Höchstwahrscheinlich wird es trotzdem irgendwann jemanden geben, der ihn toppen kann, aber derjenige wird mit 5 seinen Weg beginnen und nicht mit 35.

Fazit. Das Geld an die Börse zu tragen, ist an sich keine schlechte Idee und kann zu langsamen Wohlstand führen. Das ist ideal, wenn man etwas früher in Rente gehen und dabei den mittelständischen Lebensstil  erhalten will oder wenn man die Rente aufhübschen will und sorglos im Alter sein möchte. Im Großen und Ganzen ist diese Methode für mich nicht als Vermögensaufbau an sich zu verstehen, sondern als Vermögenserhalt. Es ist essentiell, dass man sich damit beschäftigt, um einen konstanten passiven Einkommensstrom aus seinen erwirtschafteten Gewinnen zu generieren. Deswegen wird es in diesem Blog natürlich weiterhin auch um die Börse gehen. Zum Vermögensaufbau eignet es sich, meiner Meinung nach, eher weniger, weil es Zeit (also deine endliche Lebenszeit) als entscheidenden Faktor in eine nicht-kontrollierbare Umgebung einbindet. Die Raumzeit macht dem mathematisch einwandfreien Zinseszins einen Strich durch die Rechnung.

„Was braucht man, um an der Börse ein Vermögen zu verdienen?“ — „Ein Vermögen.“ 

Als Nächstes möchte ich den tatsächlichen Vermögensaufbau thematisieren, der innerhalb weniger Jahre sehr große Vermögen erlaubt, die an die Börse getragen werden können.

Schöne Grüße & eine erfolgreiche Woche,
Anna.

Quellen: [1] UNSCRIPTED: Life, Liberty, and the Pursuit of Entrepreneurship* [2] The Millionaire Fastlane: Crack the Code to Wealth and Live Rich for a Lifetime (English Edition)* [3] Warren Buffett – Das Leben ist wie ein Schneeball*
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Wie man Vermögen aufbaut – mit und ohne Zeit – Teil 1

Heute möchte ich mit euch sprechen, wie man überhaupt mit Geld wirtschaften kann und im zweiten und dritten Schritt erörtern, wie man Vermögen mit dem Faktor Zeit und ohne Zeit aufbauen kann. Zunächst sehen wir uns einmal an, was passiert, wenn man sein Vermögen als die Summe seines Einkommens und seiner Schulden definiert.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie jemand in dieser Situation wirtschaftet:

Einnahmen

Im ersten Diagramm seht ihr jemanden, der von der Hand in den Mund lebt: seine Einnahmen decken haarscharf seine Ausgaben. Im zweiten Diagramm seht ihr jemanden, der über seinen Verhältnissen lebt und dessen Ausgaben höher sind als seine Einnahmen. Es gibt per se noch eine dritte Möglichkeit, nämlich tatsächlich einen Teil der Einnahmen beiseite zu legen und vom Rest zu leben. Ein vernünftiger Ansatz, aber kein fruchtbarer, da das Geld, das beiseite gelegt worden ist, 2% jährlich von seiner Kaufkraft verliert (sogenannte Inflation). Er oder sie sieht also seinem/ihrem Geld beim Schmelzen zu. Für diesen — vermutlich —  Schwaben 😉 sind vor allem die beiden folgenden Artikel interessant, und wir beschäftigen uns heute nur mit Leuten, die wie in Diagramm 1 und 2 wirtschaften.

Menschen, die so mit ihren Finanzen wirtschaften, haben einen ungeschriebenen Vertrag abgeschlossen, dass ihre Zukunft für ihr heutiges vergnügliches Leben aufkommt. Sie opfern sozusagen das „Morgen“ für „Heute“. Diese Menschen leben von Monatsgehalt zu Monatsgehalt und nehmen bei unerwarteten Ausgaben Kredite auf — Geld, das sie nicht haben und zusätzlich noch Zinsen bezahlen müssen. Sie sind 1,2,3 Monatsgehälter davon entfernt, Pleite zu sein. Oder auch ein Tennisspiel, einen neuen Song, einen Kundenvertrag davon entfernt. Ja, Menschen, deren Zukunft die Gegenwart finanziert, können sehr hohe Einkommen haben und trotzdem wie in den Diagrammen wirtschaften. Wenn jemand mit sehr hohem Einkommen Pleite geht, macht das meistens große Schlagzeilen (Boris Becker).

Wofür geben diese Menschen ihre Gehälter und Einkommen aus? Sind Ausgaben wie Wohnung, Lebensmittel, Strom, usw. gedeckt, wird das Geld für verschiedene Konsumgüter verbraucht. Das können je nach Budget neue Smartphones, Elektrogeräte, teure Reisen, Yachten, schnelle Autos oder ein umfangreicher Spa-Besuch oder Shopping-Trip sein. Dieser Konsumwahn ist getrieben durch die Sucht, schnell und dringend seine Bedürfnisse und Annehmlichkeiten zu realisieren. Die Verführung ist groß, wer mag es schließlich nicht, mit einer Massage verwöhnt zu werden, schöne Aussichten zu genießen oder auf seiner Yacht ein paar Cocktails zu schlürfen, während man dem sanften Rauschen des Meeres lauscht?

Das Denken dieser Menschen ist meistens durch Abweisen von Verantwortlichkeit gekennzeichnet und das bewusste Ignorieren von Konsequenzen. Was denken diese Menschen über …

Schulden? Kredite sind für mich da, damit ich mir die Dinge heute leisten kann. Kredite helfen mir, das Leben heute zu genießen und dass ich sie mir sofort leisten kann. Ich habe mir das verdient und man muss sich mal was gönnen! 

Zeit? Ich habe sehr viel Zeit auf dieser Welt. Ich kann das Geld ausgeben, als gäbe es kein Morgen. Tatsächlich — ich könnte doch morgen tot umfallen, deswegen muss ich das Leben im Hier und Jetzt genießen. 

ihre Einkommensquelle? Ich werde das arbeiten, was am Meisten Geld bringt.  

Lebensziele? Warum sollte man sich Ziele setzen? Ich lebe für heute und denke über morgen nicht weiter nach. Man weiß ohnehin nicht, was einen erwartet. Das Leben ist zu kurz, um länger als 30 Tage zu verplanen. Man ist nur einmal jung. 

Das Traurige dabei ist, dass diese Menschen die Mehrheit darstellen. Den Standard stellen vor allem die, die gleichzeitig einkommensschwach sind. Das sind diejenigen, die die untere Mittelschicht bilden. Diejenigen, die für einen gewissen Stundensatz arbeiten und all die Spielzeuge besitzen, die man gerne herumzeigt, aber auf dem Konto und im Depot liegt nichts.

Gehörst du dazu?  Wenn du denkst, dass deine Ausbildung und das Lernen nach der Schule und dem Studium aufhört, dann ja. Wenn du oft den Job wechselst, weil der neue Arbeitgeber etwas mehr zahlt, dann wahrscheinlich. Wenn du denkst, dass Menschen mit Geld „Glück“ haben, reiche Eltern hatten oder leichtere Lebensumstände, auch dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Wenn du dich leicht beeindrucken lässt und andere beeindrucken möchtest, dann ja. Du fokussierst dich auf den Staat und Politiker, um deine Probleme zu lösen, anstatt dich selber um sie kümmern, auch hier, ja. Wenn dir der Kassierer zuviel rausgegeben hat, und du es bemerkst, aber nichts sagst, weil „es nun mal die Schuld des Kassierers war“, dann weißt du die Antwort.

Wohin führt dieser Weg? Ganz klar, in die Armut und Abhängigkeit (wenn nicht vom Arbeitgeber, so dann vom Staat). Diese Lebensentscheidung bietet dir keinerlei Schutz, im Zweifelsfall stehst du nackt da und kannst bestimmte, ungeplante Kosten nicht abfedern. Deine Arbeit, die wahrscheinlich vorrangige Einkommensquelle, zu verlieren, bietet hier das allergrößte Risiko. Dabei spielt die Einkommensgröße keine Rolle. Ein Mensch, der wie in Diagramm 1 und 2 wirtschaftet, kann $2000 monatlich erhalten, und fühlt sich berechtigt, $3000 auszugeben, er kann aber auch $200.000 monatlich erhalten und $300.000 ausgeben. Die größte Erkenntnis, die wir hier machen können, ist, mehr Geld löst nicht das Problem. Wenn Du nicht mit $40.000 im Jahr auskommen kannst, dann wirst Du es nicht mit $400.000 können.

Mit Geld kann man keine finanzielle Disziplin kaufen.

Manchmal wird undiszipliniertes Shopping dann noch durch Abkürzungen verniedlicht, wie beispielsweise YOLO — You only live once. Unglücklicherweise fällt der Preis für YOLO nicht nur einmal an, sondern lebt und gedeiht auf der Visa Card. Diese Menschen verkonsumieren nicht nur gedankenlos ihr Geld, nein, schlimmer noch, sie gehen ganz genauso mit der noch wertvolleren Zeit um. Zeit gegen Geld zu tauschen, gehört zum Lebensstandard und die arbeitspflichtige Zeit wird laufend ausgebaut, die freie Zeit minimiert. Denn Schulden aufzunehmen, heißt, mögliche freie Zeit in arbeitspflichtige Zeit umzuwandeln. Aber auch die freie Zeit wird einfach hinfort geschmissen: durch TV-Dramen, Kommentarkriege im Internet oder Sportsendungen. Menschen, die derart ihre Freizeit verbringen, leben nicht ihr Leben, sondern beobachten das Leben anderer und sehen vom Seitenrand zu.

Anstatt der beste Mensch zu werden, der man sein kann, verfolgen diese Menschen das Ziel, die beste Kopie eines anderen zu werden: die Kopie eines Athleten, einer berühmten Person oder sogar eines fiktiven Charakters.

Eine weitere Tücke liegt darin, dass man beginnt, nicht mehr seine Sachen zu besitzen, sondern dass diese Sachen anfangen, dich zu besitzen. Dadurch dass diese Leute freie Zeit in arbeitspflichtige Zeit umwandeln, werden sie in Besitz genommen von ihren Schulden, von Unternehmen, die diese Forderungen stellen und weil sie letztlich nicht für sich vorsorgen, werden sie abhängig vom Staat. Im Klartext: Diese Menschen arbeiten für Unternehmen und Staat, alles, was sie kaufen, produziert ein Unternehmen, alles, was sie im Fernsehen ansehen, wird von Unternehmen bereitgestellt und auch die Zahlungsforderungen werden von Unternehmen gestellt. Aber wenn sie dann sagen, die Reichen werden reicher, sei das niemals mit ihrem Konsens passiert.

Die wenigsten verstehen, dass diese kurzfristigen Befriedigungen die Lebenszeit fordern, und sich mit jedem Euro an weiterer Schuld der Kragen am Hals fester schnallt. Dabei liegt das Problem nicht an den Zahlungen, sondern an den Konsequenzen dieser Zahlungen: Man ist womöglich an einen Job gefesselt, begibt sich in immer größere Abhängigkeit, die Träume, Motivation und Lebenslust erstickt. Konsumption ist ein Dieb deiner Macht Entscheidungen zu treffen — kurz, frei zu sein.

Es gibt zwei Möglichkeiten, was man an dieser Stelle tun kann. Zum Einen kann man sich entscheiden, diesen Weg so zu belassen und darauf hoffen, dass der Staat sich umfänglich um die Altersvorsorge kümmert. Zum Anderen kann man sich entscheiden, seine finanzielle Situation in die Hand zu nehmen, sich finanzielles Wissen anzueignen und zu beginnen, vermögensbildend zu wirtschaften.

Im zweiten Teil kümmern wir uns um den Vermögensaufbau, der an den Faktor Zeit gekoppelt ist.

Bis dahin wünsche ich dir noch eine erfolgreiche und schöne Woche,

Anna.


51Ihnen8KfL._SX331_BO1,204,203,200_ In seinem Buch The Millionaire Fastlane: Crack the Code to Wealth and Life Rich for a Lifetime! stellt der Autor MJ DeMarco bisherige Anschauungen und in Stein gemeißelte „Weisheiten“ in Frage: Nein, im Leben geht es nicht darum, Rechnungen zu bezahlen, arbeiten zu gehen, um ein Wochenende genießen zu können und dann zu sterben. In seinem Bestseller beschäftigt er sich sehr ausführlich mit den bisherigen Dogmen: Er erklärt uns, was Sidewalker, Slowlaner und Fastlaner unterscheidet und warum nur eine Gruppe erfolgreich seine Träume erfüllen kann. Meiner Meinung nach ist es das beste Finanzbuch, was es derzeit auf dem Markt gibt (Affiliate-Link).

Wie sinnvoll ist Cost-Averaging?

Neulich machte ich eine kleine Entdeckung, die mich etwas wunderte. Als ich das erste Mal mit dem Thema Cost-Average-Effekt in Berührung kam, las ich auf einem deutschen Finanzblog das Fazit, dass Einmalanlagen per se einem regelmäßigen Sparplan vorzuziehen wären. Es wurde auch schön durchgerechnet, um diese Überlegenheit zu illustrieren. „Cool“, dachte ich, und beschloss für mich, dass ich das ab nun genauso handhaben möchte. Ja, ich fühlte mich sogar den Sparplan-Einzahlern haushoch überlegen 😉

Als ich vor ein paar Wochen „Intelligent Investieren“ von Benjamin Graham aufschlug, fand ich es verwunderlich, wie positiv sich der Vater des Value Investings über Indexfonds und Cost-Averaging äußerte. Er schreibt höchstpersönlich:

Wenn man über Jahre hinweg auf einem durchschnittlichen Marktniveau kauft, sollten die Kurse die Sicherheit einer angemessenen Sicherheitsspanne bieten.

Zeit, sich die Sache näher anzusehen!

Was ist das Cost-Averaging? Beim Cost-Averaging investiert man seine Anlagesumme regelmäßig in bestimmten Zeiträumen — z.B. Monate, Quartale oder Jahre. Bei fallenden Kursen können dadurch mehr Anteile gekauft werden und bei steigenden Kursen entsprechend weniger. Somit werden die Anteile zu einem Durchschnittspreis erworben und man verzichtet auf Timing-Fehler.

Manchmal kann man lesen, dass die Einmalanlage dem Sparplan „stets“ überlegen sei, so wie ich in das Thema eingeführt wurde. Diese Behauptung kann man schnell mit einem Gegenbeispiel als falsch entlarven. Jason Zweig stellt in „Intelligent Investieren“ fest:

Laut Ibbotson Associates, […], hätten Sie, wenn Sie Anfang September 1929 12.000$ in den S&P 500 investiert hätten, zehn Jahre später nur noch 7.223 $ übrig gehabt. Hätten Sie aber mit dürftigen 100 $ begonnen und jeden Monat weitere 100$ eingezahlt, dann wäre Ihr Vermögen bis zum August 1939 auf 15.571 $ angewachsen!

Ibbotson Associates wurde übrigens 2006 von Morningstar erworben. Wie sieht es aber nun mit der Gegenbehauptung aus? Sind Einzahlungen in regelmäßigen Abständen generell besser als die Einmalanlage?

Auch hier nein — betrachten wir hierzu den Fonds ARERO – Der Weltfonds (WKN: DWS0R4) im Jahr 2014. Dazu vergleichen wir eine Einmalanlage von 12.000 € am ersten Handelstag und eine gleichmäßige monatliche Aufteilung dieser Summe während dieses Jahres. Am ersten Handelstag jeden Monats wird eine Investition von 1000 € getätigt.
Nun zeigt sich, der Fonds hat sich sehr positiv entwickelt — vom ersten bis zum letzten Handelstag im Jahr 2014 betrug die Rendite 11,35 %. Bei der Einmalinvestition haben wir also 81,69 Anteile erwerben können und ein Endvermögen von ca. 13.362 € erreicht. Beim monatlichen Sparplan konnten über den gleichen Zeitraum nur 77,68 Anteile erworben werden und das Endvermögen entspricht am letzten Handelstag etwa 12.706 € — eine Rendite von 5,9 %.

Eine generelle Über- oder Unterlegenheit des Anlagenplans mit Cost-Averaging lässt sich also nicht herleiten. Die ermittelten Ergebnisse hängen stark von dem betrachteten Zeitraum ab. Allerdings zeigen weitere Untersuchungen, dass das Cost-Averaging sich vor allem in Bärenmärkten vorteilhaft zeigt, während man bei steigenden Märkten einen nachteiligen Effekt erwartet. Das Problem ist aber das Folgende: Es gilt mittlerweile als wissenschaftlich gesichert, dass sich der Kapitalmarkt langfristig positiv entwickelt. Es ist daher zweifelhaft, ob sich das Cost-Averaging unter dieser Entwicklung als grundsätzlicher Vorteil darstellt.

Die Vanguard Group konnte in ihren Studien sogar genau das zeigen: Die Forscher verglichen zunächst die Auswirkungen der Einmalzahlung gegenüber dem Cost-Averaging über Zeiträume von 6, 12, 18, 24, 30 und 36 Monaten. Sie verglichen auch den Einfluss von verschiedenen Märkten, im Hinblick auf den US-Markt, Großbritannien und Australien. Beide Strategien wurden dann letztlich in regelmäßigen Perioden von 10 Jahren verglichen, zurückreichend bis ins Jahr 1926. Letztlich wurden diese Vergleichsstudien sogar auf verschiedene Portfolios angewandt — Du siehst, die beiden Strategien wurden sehr ausführlich untersucht. Das Ergebnis ist dementsprechend eindeutig: In 67 % der Fälle konnte die Einmalanlage gegenüber dem Cost-Averaging (über 12 Monate verteilt) in Sache Rendite punkten. Der Grund ist der, dass sich Anleihen und Aktien gegenüber dem Halten von Cash langfristig (über Dekaden hinweg) besser entwickeln.

Was sagt aber nun Benjamin Graham dazu? Graham ist der „Vater des Value Investings“, einer Investing-Methode, die unter anderem Warren Buffett verhalf, einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten zu werden. Beim Value Investing wird davon ausgegangen, dass ein Unternehmen einen fairen, inneren Wert aufweist, den man bspw. mit der Fundamentalanalyse abschätzen kann. Wird das Unternehmen an der Börse unterhalb dieses Wertes (der sogenannten Sicherheitsspanne) gehandelt, kauft man. Da das größte Verlustrisiko bei einem Investment darin besteht, in ein Unternehmen zu teuer einzukaufen, ist das Konzept dieser „Sicherheitsspanne“ (Margin of Safety) ganz wesentlich: Der Mensch kann sich immer irren und durch den Sicherheitspuffer können trotz dessen sehr gute Renditen erzielt werden. Gleichzeitig werden damit Verluste abgefedert, es wird nämlich davon ausgegangen, dass der Markt langfristig wieder zur fairen Bewertung zurückkehrt. Normalerweise rechnet man mit einem Sicherheitspuffer von 10-20%.

Graham unterscheidet in „Intelligent Investieren“ ferner zwischen „aggressiven“ und „defensiven“ Investoren. Der defensive, passive Investor legt seinen Augenmerk dabei darauf, schwerwiegende Fehler zu vermeiden, sich nicht sonderlich anstrengen zu müssen und eher selten Entscheidungen zu treffen. Dahingegen wird sich der professionelle, „aggressive“ Investor mehr darum mühen, Zeit und Sorgfalt aufzuwenden, um gute bis sehr gute Ergebnisse einzufahren. Gerade den defensiven Investoren rät Graham zu Indexfonds und dem Cost-Averaging, letzteres besonders, um die negativen Effekte der Marktvolatilität zu lindern. Gleichzeitig muss sich der Investor nicht mehr mit der Frage beschäftigen, wann und zu welchem Preis er kauft.

Fazit. Nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen kann man sagen, dass sich das Cost-Averaging vor allem in Zeiten von Bärenmärkten lohnt und sich in Zeiten der Hausse eher nicht rentiert. Andererseits liegt die Schwierigkeit darin, diese Zustände zuverlässig zu identifizieren und vorauszusagen, was wahrscheinlich unter die Kategorie „Market Timing“ fällt: wir wissen nicht, wann die nächste Rezession auf uns wartet und wann der jetzige Bullenmarkt endet.

Gleichzeitig muss man noch betonen, dass die meisten Menschen, die sich als professionelle / aggressive Investoren versuchen, scheitern und letztlich eine Rendite erzielen, die unterdurchschnittlich ist. Deswegen kann es sehr empfehlenswert sein, sich den defensiven Investoren anzuschließen: Man wendet wenig Zeit auf und erhält trotzdem ganz gute und zuverlässige Ergebnisse. Das Cost-Averaging ist dabei ein gutes Instrument, Zeit und Anstrengung zu sparen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren. Ich sehe daher das Cost-Averaging, ähnlich wie Benjamin Graham, eher positiv und empfehlenswert.

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende,

Anna.

Quellen: [1] Arero – Der Cost-Average Effekt [2] The 5 Mistakes Every Investor Makes and How to Avoid Them: Getting Investing Right (Affiliate-Link)

415AuRrqucL._SX353_BO1,204,203,200_ In dem Klassiker Intelligent Investieren: Der Bestseller über die richtige Anlagestrategie lässt uns Benjamin Graham an seinen Erfahrungen am Aktienmarkt und seinen Kenntnissen teilhaben. In dem Buch werden Tipps und Strategien sowohl für den konservativen als auch für den spekulativen Anleger geboten und zudem die Methode des „Value Investings“ erklärt. Graham arbeitet mit vielen Fallbeispielen, die sich um die Zeit 1960/1970 zutragen. Jason Zweig kommentiert dabei jedes Kapitel neu und führt die Fallbeispiele auf unsere heutige Zeit fort. So ist der Bestseller noch heute aktuell. Ich habe das Buch gelesen und für sehr gut befunden. Deswegen möchte ich dir das Buch weiterempfehlen, weil ich glaube, dass dir die Informationen nützlich und hilfreich sein können (Affiliate-Link).

Zeit ist rar und Geld ist es nicht

Meinen Blog gibt es zwar noch nicht so lange, aber trotzdem will ich bei dieser spannenden Blogparade mitmachen, zu der Der Finanzfisch aufgerufen hat. „Zeit ist Geld“ — Stimmt das?

Zunächst einmal ist es spannend, zu erörtern, was Zeit überhaupt ist. Genauso wie Geld ist es ein „Ding“, über das man ständig redet, aber nicht weiß, was es ist.  Sich mit der Zeit zu beschäftigen, wird sehr philosophisch und physikalisch, denn laut Wikipedia ist Zeit einfach nur eine „physikalische Größenart“. Ferner beschreibt es eine Abfolge von Ereignissen, wodurch eine unumkehrbare Richtung gegeben ist. Die Raumzeit ist nach unseren heutigen Kenntnissen mit dem Urknall entstanden und sogar unser Universum hat ein bestimmtes Alter.

Beim Ablauf von Ereignissen denke ich persönlich an physikalische und chemische Reaktionen.  Das Altern z.B. entsteht, weil unsere biologischen und chemischen Bestandteile im Körper mit der Zeit mit anderen Stoffen interagieren und reaktiv sind. Es gibt aber auch Substanzen in unserer Welt, die nicht so gerne Reaktionen eingehen, wie z.B. Edelgase oder Edelmetalle. Erinnert ihr euch noch an den Chemie-Unterricht? Die geringe Reaktivität liegt nämlich daran,  dass alle ihre Elektronenschalen entweder vollständig mit Elektronen besetzt oder leer sind. Deswegen passiert mit diesen Stoffen über einen sehr langen Zeitraum gar nichts. Man kann vielleicht sagen, für diese Stoffe gibt es keine Zeit. Mit organischen Stoffen sieht es natürlich anders aus. Organismen kennen spezifische Lebensdauern und man weiß bis heute nicht genau, wie diese zustande kommen, wie man sie signifikant verlängern oder den Alterungsprozess gar umkehren kann. Sogar Sterne haben eine bestimmte Lebensdauer und einen Lebenszyklus, weswegen die Suche nach neuen bewohnbaren Planeten für uns Menschen essentiell ist.

Aber genug von Chemie und Physik. Wie bereits angedeutet, haben Organismen eine spezielle Lebensdauer. Das bedeutet für uns Menschen, dass unsere Zeit auf diesem Planeten endlich ist. Da wir im heutigen Leben die Dimension „Zeit“ weitgehend nicht unter Kontrolle haben, sie sogar noch nicht mal richtig verstehen, wird Zeit zum allerhöchsten Gut, was wir auf dieser Welt haben. Ich bin zwar optimistisch, dass es der Menschheit irgendwann in Zukunft gelingen wird, die Altersprozesse umzukehren und zu neutralisieren. Vielleicht wird es auch eine Zeit geben, in der Menschen so lange leben können, wie sie wollen, und selbst entscheiden werden, wann sie sterben möchten. (Wenn Du dich für diese Thematik interessierst, empfehle ich dir den Artikel „Why Cryonics Makes Sense“ von Tim Urban).

Bis es allerdings so weit ist, müssen wir einsehen, dass wir nur eine begrenzte Zeit leben. Du und ich, wir haben wahrscheinlich nur noch 30,40,50 Jahre auf dieser Erde. Veranschaulichen wir uns das einmal. Nehmen wir ein 90-jähriges menschliches Leben. Das ist dieses Leben in Jahren:

90years

Und das ist dieses Leben in Monaten (30 x 36 ):

30x36months

Wie du siehst, ist das gar nicht so viel. Das sind deine Kästchen und dann gibt es dich nicht mehr. (Tim Urban kann es besser erklären: „Your Life in Weeks“).

Wie sieht es nun mit dem Faktor Geld aus? Wie wir bereits erörtert haben, ist Geld eine Idee, die uns Menschen dienen soll, Zeit sparen kann (aber nicht zwingend muss) und die in unserem System in unerschöpflicher Menge zirkuliert.

Was passiert nun, wenn man Zeit gegen Geld tauscht („Zeit ist Geld“)? Man muss sich bewusst sein, dass man endliche Lebenszeit gegen die unendlich verfügbare Idee Geld tauscht. Man tauscht in diesem Verhältnis sein Leben gegen Geld. Rein rational macht dieses Tauschgeschäft allerdings nur Sinn, wenn einem die nach Zeit bezahlte Tätigkeit auch Spaß bereitet (oder andere Vorteile bietet). Ansonsten sollte man versuchen, Geld und Zeit zu entkoppeln, was prinzipiell möglich ist. Seit dem letzten Jahrhundert haben wir sogar ein Tool, das uns dabei behilflich sein kann, vorausgesetzt wir setzen es intelligent ein: Das Internet und die Digitalisierung. Erstaunlicherweise gibt es zahlreiche Systeme, die sehr viel Wert schaffen, und nicht  sehr zeitintensiv sind bzw. nur einmalige Arbeit erfordern und regelmäßiges Einkommen generieren (z.B. Bücher).

Vielleicht habt ihr schon den Film In Time gesehen. Dort erhält jeder, der älter als 25 ist, eine Uhr, die auf dem Unterarm erscheint und die unaufhörlich tickt. Dabei kann man durch Arbeit Zeit hinzuverdienen und seinen Konsum mit der Zeit bezahlen. Erreicht diese Uhr den Punkt 00:00:00, also läuft die Zeit ab, dann stirbt derjenige. Obwohl der Film eine Dystopie beschreibt und unrealistisch erscheint, seine Kernelemente sind kein Sci-Fi, sondern bittere Realität: Du siehst deine Todesuhr nicht, aber sie tickt jeden Tag über deinem Kopf. Wie die Luft, existiert diese tickende Uhr, du kannst sie nur nicht sehen. Sie tickt jeden Tag und sogar jede Sekunde näher deinem Tod entgegen. Und nichts kann sie aufhalten — nicht deine 80% Sparrate, nicht dein MBA, keine 200 Billionen Euro.

Unsere Zeit lässt sich dabei in zwei Blöcke einteilen: unsere freie Zeit und arbeitspflichtige Zeit. Dabei ist freie Zeit die Zeit, die dir gehört: niemand hat einen Anspruch darauf und du kannst tun, was du willst — schlafen, schreiben, lesen, was auch immer dir gefällt. Auf der anderen Seite ist arbeitspflichtige Zeit, Zeit, die jemand anderem gehört: deiner Schule, deinem Studium, deiner Arbeit, dem Verkehr oder deinem Business. Rational sollten wir einsehen, zu versuchen, unsere freie Zeit zu maximieren und die arbeitspflichtige Zeit zu minimieren.

Zeit ist die skrupelloseste Mörderin, die es auf dieser Welt gibt. Sie hat schon Milliarden von Menschen in den Tod gerissen, was noch kein Krieg und keine Naturkatastrophe bisher je geschafft haben. Aber obwohl die Lebensspanne ungewiss ist, ist es das tägliche Pensum nicht. Jeder Mensch wird mit 24 Stunden beschenkt, oder 86.400 Sekunden — niemand bekommt mehr, niemand bekommt weniger. Es ist dabei unsere Entscheidung, wie wir diese Zeit handhaben. Die meisten Menschen leben dabei nach dem Dogma „Zeit = Geld“. Das bedeutet aber Folgendes: Du siehst ein Konsumgut, und dort steht, es kostet dich €500. Aber nach dieser Annahme, kostet dich das Gut nicht €500, sondern äquivalent 20 Arbeitsstunden. Diese Stunden sind ein Stück deines Lebens, d.h. du bezahlst, genau wie im Film, mit deiner Lebenszeit. Dabei haben die Darsteller im Film aber den Vorteil, dass sie die Zeit wieder erwirtschaften können. Diese Möglichkeit hast Du nicht, denn Zeit ist in unserem Universum unumkehrbar. Diese Zeit ist für immer fort. Überleg dir also gut, was dir deine Zeit wert ist und was nicht.

Fazit. Ich denke, Geld und Zeit stehen nicht zwingend in einem Zusammenhang. „Zeit ist Geld“ muss nach Möglichkeit vermieden werden, es sei denn, die Tätigkeit, mit der man Zeit gegen Geld tauscht, ist für Dein weiteres Leben nützlich und/oder bringt Dir Freude oder andere Vorteile. Ich bewerte Zeit um ein Vielfaches wertvoller als Geld, denn das Geldsystem ist eine Idee, die von uns für uns geschaffen wurde und die wir intelligent einsetzen können, damit sie uns dient. Bei Zeit sieht das anders aus, wir sind ihr und dem Alterungsprozess (zumindest im Moment) ausgeliefert und haben diese Komponente nicht unter Kontrolle. Im Moment ist es so, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem wir sterben müssen. Jeder Mensch kommt reich an Zeit zur Welt und stirbt bettelarm. Jeden Tag hat jeder Mensch die gleiche Zeit zur Verfügung — 24 Stunden, die wir gestalten können.

Mein Appell ist — sei frugal mit Deiner Zeit und nicht mit Deinem Geld. Du findest Wege, wieder Geld in Dein Leben zu ziehen, aber die Zeit ist weg. Deswegen gehe sorgsam, ökonomisch und sparsam mit ihr um. Gehe mit Zeit intelligent um. Beschäftige Dich damit, was es ist und was dieses Wort bedeutet. Genauso beschäftige Dich mit Geld, falls Du welches brauchst, um deine Vorstellungen zu realisieren. Nicht umsonst gibt es das Zitat: „Lieber eine Stunde über Geld nachdenken, als eine Stunde für Geld arbeiten.“

Viele Grüße und schöne Woche,

Anna.

Quellen: [1] Edelgase [2] 1000Antworten – Was ist Zeit?

51Ihnen8KfL._SX331_BO1,204,203,200_ In seinem Buch  UNSCRIPTED: Life, Liberty, and the Pursuit of     Entrepreneurship stellt der Autor MJ DeMarco bisherige Gewohnheiten und Anschauungen in Frage: Nein, im Leben geht es nicht darum, Rechnungen zu bezahlen, arbeiten zu gehen, um ein Wochenende genießen zu können und dann zu sterben. In dem Buch beschäftigt er sich sehr ausführlich mit dem Verhältnis Zeit und Geld, die ich zum Teil in den Artikel eingebaut habe. Ich habe das Buch selbst gelesen und empfehle es dir uneingeschränkt weiter, weil ich glaube, dass dir das Wissen in dem Buch hilfreich sein kann (Affiliate-Link). Leider ist es im Moment nur in Englisch verfügbar.

Was Geld überhaupt ist

Vor einer Weile stieß ich auf ein vielversprechendes Interview. Zunächst war ich etwas skeptisch, denn das Video fängt atmosphärisch an, ohne, dass man weiß, worauf der Inhalt hinauslaufen soll. Der Mann in dem Video begrüßt uns zunächst in Singapur und geht dann gemütlich zum Friseur. Wir begleiten ihn auf seinen Flügen rund um die Welt, wobei er uns seine 10 grundsätzlichen Strategien zum finanziellen Erfolg vorträgt. Es handelt sich dabei um Anton Kreil, einen professionellen Trader, der uns mit in seine Welt nimmt:

Den ersten Punkt beginnt er mit „Respektiere Geld und behandle es emotionslos.“ Er packt Geldscheine auf den Tisch und fragt den Interviewer, was das ist. Er legt immer größere Summen auf den Tisch und fragt weiter. Er erklärt den entscheidenden Punkt — die meisten Menschen, die erfolglos in Geldfragen sind, wissen gar nicht, was Geld überhaupt ist, wozu es existiert und uns dient.

Dieser Satz hat mich stark zum Nachdenken gebracht, denn auch ich habe mir bis dahin keine genauen Gedanken gemacht, obwohl ich mich schon eine Weile damit näher beschäftige. Unterhalten wir uns also über etwas, wovon wir nicht mal wissen, was es ist? Zeit, das aufzuholen!

Was ist Geld überhaupt? Sehen wir uns zunächst einmal eine Definition an. Wikipedia schreibt: „Als Geld bezeichnet man alles, was als Zahlungsmittel in einer Volkswirtschaft akzeptiert ist.“ Interessant ist hierbei, dass sich die Erscheinungsform des Geldes im Laufe der Zeit gewandelt hat und sich auch jetzt stetig verändert. In früheren Zeiten handelte es sich vornehmlich um Warengeld, d.h. Gegenstände aus unterschiedlichen Materialien mit einem bestimmten Marktwert, wie etwa die Goldmünzen. Später erschien das sogenannte Repräsentativgeld, in Form von Banknoten, die sich gegen eine gewisse Menge von Gold oder Silber tauschen ließ. Heutige moderne Volkswirtschaften verwenden aber mittlerweile das sogenannte Fiatgeld. Das ist Geld, das zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und von der Zentralbank ausgegeben wird. Es ist also der Staat oder eine von ihm beauftragte Stelle, die für die Ausgabe dieses verkehrsfähigen Zahlungsmittels zuständig ist. Dabei hat diese Stelle das Monopol inne, Geld zu drucken, was das unautorisierte Gelddrucken illegal und strafbar macht.

Interessant ist, dass das Geldzeichen an sich keinen Wert hat, und auch das verwendete Papier für die Banknoten an sich wertlos ist. Es wird aber dennoch zum Austausch für Waren und Dienstleistungen angenommen, denn die Menschen vertrauen darauf, dass der Wert des Geldes von der Zentralbank im Laufe der Zeit stabil gehalten wird. Dabei bedarf es nicht mal einer physischen Form, Geld kann einfach nur ein Computereintrag auf dem Bankkonto sein und neuerdings etablieren sich sogar virtuelle, digitale Währungssysteme wie der Bitcoin.

Geld kann im Grunde alles sein, was die Geldfunktionen erfüllt. Im Wesentlichen gibt es drei Funktionen: Erstens dient das Geld als Tauschmittel. Geld ist deshalb so essentiell und in einer Gesellschaft, die auf Arbeitsteilung basiert und damit immensen Wohlstand schafft, unabdingbar, weil sie Tauschgeschäfte stark vereinfacht, und somit Zeit spart. Stellt euch nämlich vor, es gäbe kein Geld, und der Bäcker möchte nun Fleisch haben, doch der Metzger will lieber Wolle gegen sein Fleisch tauschen. Mit Geld können die Beteiligten den Tauschprozess um ein Vielfaches vereinfachen und schneller an ihr gewünschtes Gut kommen. Geld kann also Zeit sparen.

Zweitens dient das Geld als Wertaufbewahrungsmittel. Du kannst dein Geld auf dem Bankkonto parken, sparen und Monate später erst für deine Wünsche einsetzen. Wegen dieser Funktion können bspw. verderbliche Mittel, wie Äpfel oder Brot, nicht als Geld fungieren. Die Nachfrage nach Geld als Aufbewahrungsmittel hängt dabei unter Anderem von dem Risiko ab, dass der Besitz von Geld in Form der Geldentwertung (Inflation) im Vergleich zum Risiko anderer Vermögenswerte mit sich bringt.

Drittens dient Geld als Wertmaßstab, als Recheneinheit, mit denen der Wert verschiedener Güter und Dienstleistungen miteinander abgeglichen werden können. In einer geldlosen Tauschökonomie wäre es dabei notwendig, den Preis eines Gutes als relativen Preis zu allen anderen Gütern zu kennen, das wären bei n Gütern n(n+1)/2 unterschiedliche Preise. Wird einer dieser Güter zum „Geld“, müssen nur noch n Preise gekannt werden. Geld erleichtert also auch die Vergleichbarkeiten zwischen Gütern und Dienstleistungen.

Wie entsteht Geld? In unserer heutigen modernen Volkswirtschaft gibt es die Europäische Zentralbank (EZB), die als Bank für weitere Geschäftsbanken fungiert. Ihre Aufgabe ist es, Einfluss auf die Geld- und Kreditströme in der Wirtschaft zu nehmen, um stabile Preise zu gewährleisten. Geschäftsbanken können von der EZB Geld leihen, ihnen werden also Kredite gewährt. Als wichtigstes Instrument zur Steuerung der Menge an „Geld“ ist dabei die Festlegung kurzfristiger Zinssätze — den „Kosten des Geldes“. Aber auch Geschäftsbanken können „Geld“ schaffen, was bei jeder neuen Kreditvergabe passiert.

Die Menschen lechzen nach immer mehr Geld und sind emotional damit, sie verstehen aber nicht, dass Geld nur das Tauschmittel für einen bestimmten Wert ist. Wer mehr Geld in seinem Leben möchte, sollte sich daher nicht auf das Tauschmittel Geld konzentrieren, sondern darauf, Werte zu erschaffen, z.B. interessante und nützliche Produkte, Dienstleistungen anzubieten, die den Menschen von Nutzen sind, denn je mehr Wert man erschafft, desto mehr kann man diese gegen Geld eintauschen.

Fazit. Geld ist eine Idee, die historisch gesehen mit der zunehmenden Arbeitsteilung in der Gesellschaft zusammenhängt. Geld nimmt verschiedene Funktionen wahr, die uns dienen, das Leben leichter und wohlhabender machen, und basiert auf unserem Vertrauen. Theoretisch ist Geld dabei unerschöpflich.

Ich wünsche Dir eine wunderschöne und erfolgreiche Woche,

Anna.

Quellen: [1] ECB Europa [2] Geldtheorie & Geldpolitik Uni Bonn [3] Aktien mit Kopf [4] Geldtheorie